Andrea Grützner, *1984 in Pirna, lebt nahe Dresden und in Berlin

Der mehr als 125 Jahre alte Gasthof „Erbgericht“ liegt in dem Ort Polenz in Ostsachsen und ist typisch für viele Landgasthöfe der Gegend: Seine verwinkelten Räume, Ecken und Gegenstände sind an die Erinnerungen mehrerer Generationen geknüpft.
Andrea Grützner beschäftigt sich in ihrer gleichnamigen Fotoarbeit mit diesem Ort, den sie seit ihrer frühen Kindheit kennt. Aus ihrer Sicht berichten seine räumlichen Strukturen aber nicht von sich aus von seiner Vergangenheit. Stattdessen werden sie von den Projektionen derjenigen eingefärbt, die sie betrachten.
Mit teils farbigem Blitzlicht inszeniert sie das Interieur des Dorfgasthofes für ihre mit einer analogen Fachkamera aufgenommenen Werke. Die Räume werden mit Hilfe leuchtender Schatten dekonstruiert und scheinbar neu zusammengesetzt: Zu fotografischen Einzelbildaufnahmen, die in ihrer Abstraktion an Farbfeldmalerei und konstruktivistische Bühnenbilder denken lassen. Grützner spielt in ihren Werken mit der emotionalen und subjektiven Wahrnehmung von Räumen und übersetzt diese in fotobasierte Arbeiten.
Das künstlerische Werk von Grützner umfasst analoge Großformataufnahmen, Collagetechniken, Scanverfahren und raumgreifende Fotoplastiken.
Vita
Andrea Grützner studierte im Anschluss an einen Bachelor in Kommunikationsdesign Fotografie und Medien an der Hochschule Bielefeld. Ihre Werke waren jüngst in den Einzelausstellungen „Der dunkle, der wunde, der springende Punkt“ im Werkstatthaus Stuttgart und „Haus im Taumel“ in der Galerie Schierke Seinecke in Frankfurt a.M. (beide 2024) zu sehen.