Silvia Klara Breitwieser

Silvia Klara Breitwieser (1939-2025) studierte nach einem Studium der Literatur, Philosophie und Psychologie von 1972 bis 1976 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Von 1979 bis zu ihrem Tod im Jahr 2025 lebte und arbeitete die in Krefeld geborene Künstlerin in Berlin.
Zu Beginn der 1970er Jahre stellte Breitwieser erste “Versteinerte Tücher” aus Ton her. Mithilfe von Textilien und Keramik formte sie Plastiken und kleine Skulpturen, in denen die Gewebe-Abdrücke an der Oberfläche deutlich sichtbar wurden. Dabei verwendete sie meist Verbandsmull, Tücher, Windeln oder Lappen – Gewebearten, deren Texturen für die Künstlerin eine deutliche Analogie zur Haut als Körperoberfläche darstellten.
Ab 1977 kam Erde als Werkstoff hinzu, die durch einen keramischen Brennprozess ebenfalls versteinert wurde. Die organisch gerundeten Formungen der Plastiken sind häufig mit Werktiteln wie “Textilstück”, “Handtuch” oder “Windeltuch” versehen. Andere erinnern an körperliche Formen bis hin zu erkennbaren Torsi, die immer wieder als “Selbst” betitelt sind. Die verhüllenden, schützenden und frei formbaren Eigenschaften von Textilien ermöglichten der Künstlerin, die Beziehung des Menschen zu den Dingen zu versinnbildlichen.
Seit den 1980er Jahren arbeitete Silvia Klara Breitwieser zusätzlich in den Medien Fotografie, Skulptur und Installation. Hinzu kamen zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum, die zum Teil nur temporär angelegt waren. So entstanden z.B. Skulpturen und Architekturen aus Torf, wie das “Torf-Forum” 1987 für die Ausstellung “Mythos Berlin” am Anhalter-Bahnhof, ein aus Torfsteinen terrassierter Platz für öffentliche Seminare und Vorträge.
Ebenfalls zur Kommunikation diente die aus 30 kreisförmig angelegten Straßenschildern bestehende Installation “Musen- und Museumsbotschaften” von 1997 für die Berlinische Galerie. Versehen ist diese mit Kommentaren und Zitaten zur aktuellen Lage der Kunst, eingereicht von 30 Museen aus West- und Ostdeutschland. Heute steht das Ensemble zwischen dem Jüdischen Museum und der Berlinischen Galerie. Mehrfache Stipendienvergaben, darunter zwei Mal in der Villa Romana, Preise (u.a. 1989 Kunstpreis des Frauenmuseums Bonn) und Projektzuschüsse trugen dazu bei, Breitwiesers umfangreiche Projekte zu realisieren.
Mit ihrem in 2008 begonnenen internetbasierten künstlerischen Forschungsprojekt “WEB-WERK/WEB(B)-WERK” griff die Künstlerin die Idee des Gewebes wieder auf, hier jedoch im Sinne einer partizipativen virtuellen Vernetzung.
Silvia Klara Breitwieser hat noch zu Lebzeiten dem Künstler:innenarchiv eine umfangreiche Auswahl früher plastischer Stein-Tücher als Vorlass anvertraut.
- HP Alvermann
- Renate Anger
- Pidder Auberger
- Horst Bartnig
- Hartmut Böhm
- Silvia Klara Breitwieser
- Gerda Brodbeck
- Ursula Burghardt
- Bernd Damke
- Stefan Demary
- Otto Dressler
- Martin Engelman
- Eduard Franoszek
- Ludger Gerdes
- Jochen Gerz
- Dieter Goltzsche
- Ulrike Grossarth
- Barbara Hammann
- Jockel Heenes
- Paul Heimbach
- Horst Egon Kalinowski
- Herbert Kaufmann
- Edgar Knoop
- Diethelm Koch
- Godehard Lietzow
- Erich Lütkenhaus
- Elisabeth Marx
- Karl Marx
- Floris M. Neusüss
- Beate Passow
- Herbert Press
- Fritz Rahmann
- Otfried Rautenbach
- Reiner Ruthenbeck
- Eva-Maria Schön
- Joachim Schmid
- Kurt M. Schulz-Schönhausen
- Helen Spoerri
- Peter Vogt
- Josef Wedewer
- Renate Weh
- Andreas von Weizsäcker
- Gerhard Wind