Fragile Skulpturen aus Papier: Zum 70. Geburtstag von Andreas von Weizsäcker

Im Juni 2026 wäre der Bildhauer Andreas von Weizsäcker 70 Jahre alt geworden. Der 1956 in Essen geborene Künstler verstarb 2010 mit nur 51 Jahren. Sein künstlerischer Nachlass wird von dem Künstler:innenarchiv der Stiftung Kunstfonds betreut.
Insbesondere mit seinen skulpturalen Arbeiten aus Papier, mit denen er den einst klassischen Materialien der Bildhauerei – Marmor, Bronze, Eisen – eine Formsprache der Fragilität und Leichtigkeit entgegensetzte, wurde Andreas von Weizsäcker bekannt. Er formte Monumente wie Reiterdenkmale, Götterstatuen und Quadrigen, die bis heute unser Stadtbild prägen und meist mit Pathos und Nationalstolz vergangener Zeiten assoziiert werden, mit selbstgeschöpftem Papier ab. Aber auch Alltagsobjekte, wie beispielsweise eine ganze Büroausstattung, verwandelte er in papierene Hüllen ihrer selbst. Mit den Abformungen entstanden neue federleichten Skulpturen, die dazu anregen, über Begriffe wie Hülle, Inhalt und Form sowie über unser Verhältnis zur Geschichte nachzudenken.
Gemeinsam mit der Künstlerin Beate Passow, deren künstlerischer Vorlass in Teilen ebenfalls im Archiv betreut wird, setzte Andreas von Weizsäcker von 1993 bis 1995 das europaweite Projekt „Wunden der Erinnerung“ um. In diesem markierten die Künstler:innen jene Spuren im Stadtbild, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat, wie zum Beispiel Einschusslöcher an Hausfassaden, Denkmälern und Bäumen.
Andreas von Weizsäcker absolvierte zunächst eine Schreinerlehre, bevor er Bildhauerei an der Akademie in München studierte und als Assistent für Eduardo Paolozzi tätig war. 2001 erhielt er nach Arbeitsaufenthalten u.a. in New York und Los Angeles eine Professur für Bildhauerei an der Münchner Akademie. Seine Arbeiten sind bundesweit wie auch international in Ausstellungen und Sammlungen vertreten.
Im Künstler:innenarchiv der Stiftung Kunstfonds befinden sich neben zentralen Skulpturen des Künstlers Zeichnungen, Druckgrafiken, Skizzenbücher und Archivalien. Einige seiner Werke aus unserem Archivbestand können Sie in unserer Online-Datenbank entdecken.
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