Aktuelle Studie zeigt: Mehrheit der Bildenden Künstler:innen kann von der Kunst allein nicht leben

Pressemeldung
Berlin, 22.09.2025 – Die heute in Berlin vorgestellte Studie „Von der Kunst zu leben. Die wirtschaftliche und soziale Situation Bildender Künstler:innen“ bietet ein umfassendes Bild zur aktuellen Lage der Kunstschaffenden in Deutschland. Sie wurde erstmals im gemeinsamen Auftrag des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und der Stiftung Kunstfonds von der Prognos AG durchgeführt.
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Geringe Arbeitseinkommen
Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist: 90 Prozent der befragten Bildenden Künstler:innen erzielen ein jährliches Arbeitseinkommen aus künstlerischer Tätigkeit von weniger als 20.000 Euro. Zum Vergleich: Von den Vollzeiterwerbstätigen der Gesamtwirtschaft erzielen fast spiegelverkehrt 88 Prozent ein Nettoeinkommen von mehr als 20.000 Euro im Jahr (Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft, 2025).
Lediglich rund ein Fünftel der Bildenden Künstler:innen generiert Einkommen ausschließlich durch künstlerische Tätigkeiten. Dieses Einkommen setzt sich in der Regel aus unterschiedlichen Quellen zusammen, allen voran der künstlerischen Lehrtätigkeit, den Honoraren für künstlerische Arbeit und den Ankäufen von Sammlungen, Museen und Stiftungen.
Mit den überwiegend niedrigen Einkommen sind 80 Prozent der Künstler:innenschaft unzufrieden. Vor diesem Hintergrund erklären sich auch die hohen Anteile der Künstler:innen, die finanzielle Unsicherheit (79 %) und die Sorge vor dem Wegfall von Förderprogrammen (80 %) als zentrale Herausforderungen bewerten.
Insgesamt erzielen Künstlerinnen geringere Einkommen als ihre männlichen Kollegen. Die Studie zeigt ebenfalls, dass Künstlerinnen häufiger Care-Arbeit übernehmen und öfter in Teilzeit tätig sind.
Ungenügende Altersabsicherung
Die vorwiegend niedrigen und schwankenden Einkommen Bildender Künstler:innen spiegeln sich in einer herausfordernden Altersabsicherung wider. 54 Prozent der Befragten mit Rentenbezug erhalten monatliche Renten bis maximal 800 Euro und liegen damit deutlich unter dem Durchschnitt der gesetzlichen Rente in Deutschland von 1.099 Euro. Der Großteil Bildender Künstler:innen ist folglich durch Altersarmut
Gefährdet und auf Unterstützung aus dem sozialen Umfeld angewiesen oder darauf, über das Rentenalter hinaus weiterhin berufstätig zu sein. Schon jetzt arbeitet über die Hälfte der älteren Künstler:innen mehr als 40 Stunden pro Woche. Neben den finanziellen Gründen spielt hier jedoch auch die Leidenschaft für den Beruf eine wichtige Rolle. Einen sinnstiftenden Beruf zu haben und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, ist für die meisten Bildenden Künstler:innen eine zentrale Motivation, ihren Beruf auszuüben.
Bildende Künstler:innen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen
Um die Arbeits- und Einkommenssituation Bildender Künstler:innen nachhaltig zu verbessern, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. Erforderlich sind z. B. verbindliche Honoraruntergrenzen für die künstlerische Tätigkeit sowie Ausstellungsvergütungen. Darüber hinaus ist die Erhaltung und Stärkung der bundesweiten Infrastruktur an adäquaten Ausstellungsorten, wie Kunstvereinen oder kommunalen Museen, notwendig. Künstler:innen selbst halten zudem Maßnahmen wie differenzierte Förderprogramme, Stärkung des Urheberrechts sowie Ausfallzahlungen für Aufträge für sinnvoll. Ein weiterer Aspekt sind gute Bedingungen für die künstlerische Produktion wie u. a. bezahlbare Atelierräume und Produktionsorte.
Über die Studie
Die Studie basiert methodisch auf einer Kombination von quantitativer Befragung und Expert:innen-Interviews. Die quantitative Befragung wurde als Online-Befragung umgesetzt und fand von Februar bis Mai 2025 statt. Es nahmen 2.194 Personen teil, davon füllten 1.641 Personen, und damit 75 Prozent, die Befragung vollständig aus. Etwa zwei Drittel der Befragten gab an, weiblich zu sein. Das Durchschnittsalter lag bei 54 Jahren. Im Anschluss an die Online-Befragung wurden zehn Expert:innen-Interviews mit Bildenden Künstler:innen geführt. Diese dienten der fachlich vertieften Einordnung und Anreicherung der quantitativen Ergebnisse sowie der Kontextualisierung bestimmter Aspekte.
Die Studie wurde durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.
Statements zur Studie
Kathleen Freitag, Projektleiterin Prognos AG: „Die Studie liefert relevante Daten und Zahlen zur aktuellen Lage der Kunstschaffenden in Deutschland. Neben den zentralen Themen Einkommen und soziale Absicherung beschäftigt sie sich mit vielen weiteren Aspekten, u. a. mit künstlerischen Tätigkeitsschwerpunkten, Ausstellungstätigkeit, Ateliersituation und weiteren Arbeitsbedingungen Bildender Künstler:innen. Auch Auswirkungen von Makrotrends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit auf das künstlerische Schaffen wurden untersucht.“
Dagmar Schmidt und Marcel Noack, BBK Bundesvorstand: „Für den BBK Bundesverband sind die Ergebnisse der aktuellen Studie von enormer Bedeutung. Untermauert mit den belastbaren Daten über die immer noch angespannte Einkommenssituation und unzureichende soziale Absicherung der Kunstschaffenden werden wir uns als Verband weiterhin entschlossen für Verbesserungen einsetzen.“
Karin Lingl, Geschäftsführerin Stiftung Kunstfonds: „Die Studie betrachtet erstmals detailliert die unterschiedlichen Einkommensarten und deren Finanziers. Die nun vorliegenden Ergebnisse bieten nicht nur präzise Hinweise für eine Spezifikation der Kunstfonds-Förderprogramme. Sie zeigen darüber hinaus, dass Bildende Künstler:innen mit ihren Partnern im „Netzwerk Bildende Kunst“, also mit Galerien, Verbänden und Kunstvereinen, eng kooperieren, um Einkünfte zu erzielen. Sie alle bedingen und verstärken sich gegenseitig. Eine konzentrierte „Initiative Netzwerk Bildende Kunst“ würde die Kunstszene insgesamt stabilisieren und bildenden Künstler:innen helfen.“
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Kontakt Stiftung Kunstfonds: Jenny Fleischer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, T: +49 228 33 65 69-18; presse@kunstfonds.de
Kontakt BBK: Georg Zolchow, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, T: +49 30 26 40 970, gz@bbk-bundesverband.de
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