Praxisseminar für Studierende im Künstler:innenarchiv

Wie arbeitet ein Kunstarchiv? Welche Strategien sind geeignet, um zeitgenössische Kunst zu dokumentieren, zu erhalten und für Transporte sowie künftige Ausstellungspräsentationen vorzubereiten, wenn die Künstler:innen selbst nicht mehr anwesend sein können? Mit diesen Themen beschäftigen sich Studierende des Cologne Institute of Conservation Sciences der Technischen Hochschule Köln anhand von drei Fallstudien in einem zweiwöchigen Praxisseminar im Künstler:innenarchiv der Stiftung Kunstfonds.
Im Fokus steht u.a. die Arbeit „Tabula Rasa“ von Andreas von Weizsäcker (1956-2008), dessen künstlerischer Nachlass sich in großen Teilen im Künstler:innenarchiv befindet und dort betreut wird. Die Rauminstallation aus dem Jahr 2002 wirkt, so auch der alternative Werktitel, wie ein „explodiertes Büro“: aus weißem Büttenpapier abgeformte Gegenstände, wie ein Bürostuhl, ein Schreibtisch, ein Telefon und diverse Ordner und Bücher, befinden sich in scheinbar wilder Unordnung und wurden, je nach Begebenheit des Ausstellungsraumes, so belegen es Fotos früherer Präsentationen, unterschiedlich im Raum verteilt. Die einzelnen fragilen Papierobjekte sind zum Teil vom Künstler in Gruppen zusammengeklebt und hinterfragen den Betrachter:innenblick auf Hülle, Inhalt und Form.
Die Studierenden untersuchen den Zustand des Werks, recherchieren die Werkbiografie, sichten frühere Ausstellungspräsentationen und führen ein Interview mit der Witwe des Künstlers Sabrina Hohmann, um auf dieser Grundlage eine Konzeption für die Erhaltung und künftige Präsentationen zu erarbeiten – im Fall von Andreas von Weizsäcker eine Herausforderung, da die Installation auf den jeweiligen Ausstellungsraum reagiert, Teilelemente dabei variabel eingesetzt und Aufbauten bisher immer durch den Künstler selbst oder seiner Witwe Sabrina Hohmann begleitet wurden.
Die Ergebnisse sind ein wichtiger Input für die Archivarbeit sowie für künftige Leihnehmer:innen. Die Leitung des Seminars, das sich darüber hinaus mit Werken der Künstler HP Alvermann und Ludger Gerdes beschäftigt, hat Prof. Gunnar Heydenreich inne.
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