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Zwischen Atelier und Museum

„Was wir brauchen, sind nicht immer neue Ausstellungen, sondern Orte, an denen die gelagerte Form der Kunst zu ihrer primären Botschaft wird.“

(Harry Walter in seiner Rede anlässlich der Eröffnung des Künstlerarchivs am 19. April 2010)


Kulturelles Erbe bewahren

Kunstwerke sind Quellen, Kommentare und Zeugen unseres kulturellen Erbes und Vermächtnisses. Sie leben von steter öffentlicher Wahrnehmung. Werden sie nicht gesehen, studiert und erforscht, bleiben sie unbekannt. Ihre Aussage geht verloren. Nicht selten drohen so wichtige Positionen vor allem der jüngeren Kunstgeschichte ganz zu verschwinden.

Ziel und Aufgabe des Künstlerarchivs ist es, die aufgenommenen Kunstwerke als kulturelles Erbe über die Schaffenszeit der Künstler:innen hinaus zu bewahren und öffentlich zu machen. Dies geschieht aus der Sicht der Künstler:innen heraus – unabhängig von den Moden des Kunstmarkts und des Mainstreams sowie der finanziellen und konzeptuellen Möglichkeiten kommunaler oder landeseigener Museen.

Modellprojekt auf 2.000 Quadratmetern

2010 eröffnete das Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds als Modellprojekt in Pulheim-Brauweiler bei Köln. Dieser „Ort zwischen Atelier und Museum“, der mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Landschaftsverbands Rheinland zum modernen Magazingebäude ausgebaut wurde, ist in Deutschland nach wie vor einzigartig.

Auf 2.000 Quadratmetern Fläche werden in dem ehemaligen Gutshofgebäude der Abtei Brauweiler historisch relevante Kunstwerke gesammelt, geordnet, inventarisiert und erforscht.

Ein wesentliches Anliegen des Künstlerarchivs ist es, die Werke dauerhaft öffentlich zugänglich zu machen. In Kooperation mit den Künstler:innen, den Erb:innen, Universitäten und Hochschulen werden regelmäßig Forschungsarbeiten initiiert und Ausstellungsprojekte im In- und Ausland angestoßen.

Darüber hinaus finden regelmäßig Ausstellungen im Winterrefektorium der Abtei Brauweiler statt, die Einblick in den Bestand und die Archivarbeit geben.

Studierende erhalten die Möglichkeit, ihre kunst- und restaurierungswissenschaftlichen Bachelor-, Master- und Promotionsarbeiten im Kontext des Archivs zu erarbeiten. Eine Auswahl wissenschaftlicher Arbeiten der letzten Jahre finden Sie hier.

Darüber hinaus werden Kunstwerke an Museen oder Kunsthallen verliehen. Dauerleihgaben aus dem Archiv befinden sich derzeit in der Berlinischen Galerie, dem LWL-Museum Münster und der Universität Münster. Temporäre Leihgaben gingen unter anderem nach Ahlen, Amiens, Baden-Baden, Berlin, Bremen, Chemnitz, Düsseldorf, Hamm, Ingolstadt, Kiel, Krefeld, Leverkusen, London, Miltenberg, Moyland, München, Siegen, Soest und Unna.

Für die Aufnahme in das Künstlerarchiv ist entscheidend: Nicht einzelne Arbeiten werden ausgewählt, sondern künstlerische Gesamtwerke beziehungsweise wesentliche Werke eines Œuvres. Neben der wichtigen Sensibilität gegenüber dem Werk des:der Künstler:in hat dies vor allem einen wissenschaftlichen Grund: Anhand der aufgenommenen Werkreihen sind die künstlerischen Prozesse kunsthistorisch nachvollziehbar. Auch die Intention des:der Künstler:in bleibt authentisch erfahrbar, denn jedes künstlerische Lebenswerk wird im Künstlerarchiv individuell betrachtet und behandelt.

Da die räumlichen Kapazitäten des Archivs begrenzt sind, entscheidet eine mehrheitlich mit Künstler:innen besetzte Jury darüber, ob ein Œuvre aufgenommen wird. Auswahlkriterien sind die künstlerische Qualität beziehungsweise die kunsthistorische Bedeutung des Œuvres.

Rede zur Eröffnung des Künstlerarchivs der Stiftung Kunstfonds am 19. April 2010:

Prof. Bogomir Ecker 

Geplant: das „Schaumagazin“

 In Planung ist ein Schaumagazin als begehbares Depot. In unterschiedlich großen Räumen und Studios sollen dort Werke aus dem Künstlerarchiv öffentlich zu sehen sein. Neben kleineren Studioausstellungen wird die interessierte Öffentlichkeit Einblicke in die Inventarisation erhalten und sich anschauen können, wie Kunstwerke professionell konserviert werden. Außerdem soll das Schaumagazin die Forschungskapazitäten des Künstlerarchivs erweitern. Die Kosten für den Bau tragen der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und der Landschaftsverband Rheinland gemeinsam. Dank ihrer Unterstützung kann diese wichtige Erweiterung des Künstlerarchivs in Kürze beginnen.