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Silvia Klara Breitwieser

Silvia Klara Breitwieser, Mein Ruhekissen, 1976, Keramik (Steinzeug glasiert; graue Erde mit Asche und Gesteinsmehl beschichtet), 12 x 54 x 41 cm, Keramik, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Silvia Klara Breitwieser, Mein Ruhekissen, 1976, Keramik (Steinzeug glasiert; graue Erde mit Asche und Gesteinsmehl beschichtet), 12 x 54 x 41 cm, Keramik, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Silvia Klara Breitwieser (*1939 in Krefeld) studierte nach einem Studium der Literatur, Philosophie und Psychologie von 1972 bis 1976 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Seit 1979 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Berlin.

Zu Beginn der 70er Jahre schafft Breitwieser erste »Versteinerte Tücher« aus Ton. Mithilfe von Textilien und Keramik formt sie Plastiken und kleine Skulpturen, in denen die Gewebe-Abdrücke an der Oberfläche deutlich sichtbar sind. Dabei verwendet sie meist Verbandsmull, Tücher, Windeln oder Lappen – Gewebearten, deren Texturen für die Künstlerin eine deutliche Analogie zur Haut als Körperoberfläche darstellen. Ab 1977 kommt Erde als Werkstoff hinzu, die durch einen keramischen Brennprozess ebenfalls versteinert wird. Die organisch gerundeten Formungen der Plastiken sind häufig mit Werktiteln wie »Textilstück«, »Handtuch« oder »Windeltuch« versehen. Andere erinnern an körperliche Formen bis hin zu erkennbaren Torsi, die immer wieder als »Selbst« betitelt sind. Die verhüllenden, schützenden und frei formbaren Eigenschaften von Textilien ermöglichen es der Künstlerin, die Beziehung des Menschen zu den Dingen zu versinnbildlichen.

Seit den 1980er Jahren arbeitet sie zusätzlich in den Medien Fotografie, Skulptur und Installation. Hinzu kommen zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum, die zum Teil nur temporär angelegt sind. So entstehen z.B. Skulpturen und Architekturen aus Torf wie das »Torf-Forum« 1987 für die Ausstellung »Mythos Berlin« am Anhalter-Bahnhof, ein aus Torfsteinen terrassierter Platz für öffentliche Seminare und Vorträge. Ebenfalls zur Kommunikation dient die aus 30 kreisförmig angelegten Straßenschildern bestehende Installation »Musen- und Museumsbotschaften« von 1997 für die Berlinische Galerie. Versehen ist diese mit Kommentaren und Zitaten zur aktuellen Lage der Kunst, eingereicht von 30 Museen aus West- und Ostdeutschland. Heute steht das Ensemble zwischen dem Jüdischen Museum und der Berlinischen Galerie. Mehrfache Stipendienvergaben, darunter zwei Mal in der Villa Romana, Preise (u.a. 1989 Kunstpreis des Frauenmuseums Bonn)und Projektzuschüsse trugen dazu bei, ihre umfangreichen Projekte zu realisieren.

Mit ihrem seit 2008 fortlaufenden internetbasierten künstlerischen Forschungsprojekt »WEB-WERK/WEB(B)-WERK« greift die Künstlerin die Idee des Gewebes wieder auf, hier jedoch im Sinne einer partizipativen virtuellen Vernetzung.

Silvia Klara Breitwieser hat dem Archiv für Künstlernachlässe eine umfangreiche Auswahl früher plastischer Stein-Tücher anvertraut.

www.silvia-breitwieser-berlin.de