Barbara Hammann, Conversation Pieces (Detail), 1983 Farb-Video, Videostill: Nachlass Barbara Hammann, © VG Bild-Kunst, Bonn

Barbara Hammann (1945 Hamburg - 2018 München) promovierte 1972 an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität im Fach Kunstgeschichte und leitete viele Jahre die Auslandsredaktion der WELTKUNST, bevor sie Künstlerin wurde. Nach einem Aufenthalt an der Salzburger Sommerakademie und einem Bühnenbildentwurf für die Oper Salome 1976 entstanden erste Videoarbeiten ab 1978. Im gleichen Jahr nahm sie an einem Workshop mit Jochen Gerz an der Münchner Kunstakademie teil. In der Folge wurde Hammans Werk bekannt und prämiert für ihre filmischen und fotografischen Darstellungen des weiblichen Körpers. Mal zeigt sie ihren eigenen Körper in Fotos, Polaroids und Filmen, oft aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, die denen eines Voyeurs ähneln. In den Achtzigern und Neunzigern experimentierte Hammann mit interaktiven Videoinstallationen, Fotografie, Performances und Theater-Inszenierungen, bei denen oft das Licht im Zentrum stand. Zunehmend bezog sie auch die Umgebung mit ein, verfolgte mit der Kamera Männer in verschiedenen Städten, befragte Passanten nach ihrem Lieblingswort und setzte sich in Vorträgen und Ausstellungsprojekten auch theoretisch mit den möglichen Funktionen von Video auseinander. Immer wieder formulierte sie auch künstlerisch und theoretisch ihr Unbehagen angesichts einer von Männern dominierten Münchner Kunstszene. 1983 organisierte sie mit Künstlerkolleginnen parallel zur Lenbach-Haus-Ausstellung „Aktuell `83“ die „aktuell(e)`83“, um die dort gezeigten überwiegend männlichen künstlerischen Positionen um Werke von Münchner Künstlerinnen zu ergänzen. 1985 erhielt Hammann als erste Frau das Gabriele-Münter-Stipendium der Stadt München. Von 1992 bis 2006 hatte Barbara Hammann eine Professur an der Kunsthochschule Kassel inne.

Im künstlerischen Nachlass von Barbara Hammann befinden sich Video- und Fotoarbeiten, Projektdokumentationen und zahlreiche Schriften der Künstlerin zu ihren Werken und ihrer Einordnung des aktuellen Kunstgeschehens zwischen den späten 1970er Jahren und 2018.