Reiner Ruthenbeck im Gespräch mit Saskia Mench (Februar 2015).



Reiner Ruthenbeck im Gespräch mit Magdalena Holzhey (Juli bis November 2010).

 

»Ich versuche etwas Schwebendes, ein Gleichgewicht. Ich will die Ruhe aufrechterhalten. Auf Polarität und Einheit lässt sich alles zurückführen, worauf die Schöpfung grundsätzlich aufbaut. Polarität war fast von Anfang an in meiner Arbeit enthalten. Zwei verschiedene Materialien, hart und weich, oder unterstützt durch die Farbe, schwarz und weiß. Das durchzieht so ziemlich mein ganzes Werk. Ich muss mit Polarität arbeiten, weil sie mit Materie verbunden ist, aber mich interessiert die Einheit, nicht die Polarität.«

(Reiner Ruthenbeck im Gespräch mit Helga Meister in Kunstforum International, 180/2006, S. 188ff)

Reiner Ruthenbeck, Rotes Tuch mit Kreuzverspannung, hängend 145, 1976, dunkelroter Stoff, schwarz lackiertes Holz, 145 x 145 x 50 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Gegensatzpaare sind die bestimmende Kraft im Werk von Reiner Ruthenbeck (1937-2016). Miteinander in Beziehung gesetzt stoßen sie nicht aufeinander, sondern halten den Moment der Balance, durch den es gelingt, seinen Werken die Stille zu verleihen, die der Künstler mit Meditationserfahrungen verglich. Reiner Ruthenbeck hat im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit eine unverwechselbare Sprache entwickelt und gehört heute zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Generation. Nach einer Fotografenlehre und mehreren Jahren freier fotografischer Tätigkeit studierte er von 1962 bis 1968 Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys. Nach einer Gastdozentur an der Hochschule für Künste in Hamburg war er ab 1980 bis 2000 Professor an der Kunstakademie Münster. Reiner Ruthenbecks Kunst wurde durch die verschiedenen Schaffensphasen hinweg zunehmend minimalistischer, konzeptueller und vielschichtiger. Neben Fotografien und Zeichnungen entstanden Plastiken, Installationen und Soundskulpturen. Häufig verwendete er Alltagsgegenstände und -materialien wie Stoff, Asche, Metall oder Papier, aber auch Möbelstücke, Fahrräder und Licht. Diese arrangierte er in präzise ausbalancierten und teils raumgreifenden Installationen. Seine Werke sind in zahlreichen nationalen und internationalen Sammlungen vertreten.

 

2012 erhielt das Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds einen ersten Vorlass seiner künstlerischen Werke mit bedeutenden Arbeiten aus allen Phasen seines Schaffens. 2019 wurde das Konvolut vervollständigt durch die Übergabe weiterer Werke und sämtlicher Archivalien durch seine Witwe Erika Ruthenbeck, darunter auch bislang unveröffentlichte frühe Zeichnungen sowie seine Fotografien. Seit Beginn der engen Zusammenarbeit des Archivs mit dem Künstler war es Ruthenbecks zentrales Anliegen, eine möglichst authentische Umsetzung seiner künstlerischen Ideen so zu vermitteln, dass seine Konzepte über seine Schaffenszeit hinaus Bestand haben. Im Archiv werden seine Ideen dokumentiert bewahrt und vermittelt.


Mehr zum Künstler: www.reiner-ruthenbeck.de