Ohne Titel, 1988, Prägedruck mit Materialeinlage auf Bütten, ca. 56 x 52 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Andreas von Weizsäcker (1956 Essen - 2008 Gauting) absolvierte zunächst eine Schreinerlehre, bevor er Bildhauerei an der Akademie in München studierte und als Assistent für Eduardo Paolozzi tätig war. 2001 erhielt er nach Arbeitsaufenthalten u.a. in New York und Los Angeles eine Professur für Bildhauerei an der Münchner Akademie. Einzelausstellungen des Künstlers waren in der Lothringerstraße München, dem Märkischen Museum Witten und Kunstmuseum Kloster Unserer Lieben Frauen Madgeburg, der Kunsthalle Erfurt und dem Museum Folkwang zu sehen. Seine Werke sind international in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten.

Seine skulpturalen Arbeiten sind vor allem aus Papier und Papiermaché geformt. Er thematisiert die klassische Bildsprache bekannter Reiterstandbilder und Monumente, indem er dem Pathos der vermeintlichen Idealformen klassischer Götterstatuen und Quadrigen durch Fragmentierung und die papierne Hülle eine immaterielle Leichtigkeit und Fragilität entgegensetzt. Auch Alltagsobjekte und Büroräume formte der Bildhauer neu oder nach und verlieh ihnen durch papierne, textile oder fotografische Elemente neue Dimensionen.

In das Archiv für Künstlernachlässe kommen neben wichtigen Skulpturen des Künstlers auch Zeichnungen, Druckgrafiken, Skizzenbücher und Archivalien, die einen Einblick in die Arbeitsweise und Ideenwelt des Künstlers ermöglichen. Auch Fotografien zu seinem bekannten Projekt "Wunden der Erinnerung" kommen ins Künstlerarchiv. In diesem Projekt aus dem Jahr 1995 legten Andreas von Weizsäcker und Beate Passow europaweit auf Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg an Gebäuden, Bäumen und Skulpturen schwere Glasplatten, die seitdem per Beschriftung auf die historischen Materialverletzungen hinwiesen.