13. Juni bis 14. Juli 2019

 

„Ich mache konkrete Kunst“, erklärt Horst Bartnig (*1936) kurz und bündig in einem Interview, das die Kulturjournalistin Berit Hempel 2018 aus Anlass einer ersten Werkübergabe des Künstlers an das Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds führte. Und wie ihm dies in der DDR gelang, beschreibt er lebhaft. Im Laufe der Unterhaltung gewährt er Einblicke in seinen Werdegang und seine Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom Zentralinstitut für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof. Diese unterstützen Bartnig in seinem Bestreben, Zufälligkeiten und persönliche Handschriften mithilfe computerprogrammierter Berechnungen auszuschließen. Seine Erklärungen können in der Ausstellung an seiner Grafik-Serie „Unterbrechungen“ anschaulich nachvollzogen werden.

Ausstellungsansicht mit Werken von Horst Bartnig, Foto: Stiftung Kunstfonds
Ausstellungsansicht mit Jochen Gerz' "Die Beschreibung des Papiers" (1968-1973), Foto: Stiftung Kunstfonds

Jochen Gerz (*1940) geht es in seinen partizipativen Arbeiten „hauptsächlich ums Konzeptuelle“, wie er Berit Hempel im ausführlichen Gedankenaustausch über sein Oeuvre erläutert. Im Dialog mit Ulrike Förster konzentriert er sich dagegen auf ein Konzept zur Bestandssicherung und der Restaurierung seines Werks „Die Beschreibung des Papiers“ (1968-1973). Gerz‘ Äußerungen sind für das Künstlerarchiv ein unerlässlicher Leitfaden zum Handling dieser wichtigen frühen Arbeit, die er in der Übergangsphase zwischen der visuellen Poesie und der bildenden Kunst schuf. Beide Interviews bieten interessante Einblicke in die Kunstszene Ende der 1960er Jahre, von der Gerz angeregt und mit Insider-Kenntnissen erzählt.

Ausstellungsansicht mit Werk von Reiner Ruthenbeck, Foto: Stiftung Kunstfonds

„Das dunkle Rot ist eher ein Zustand für mich als eine Farbe“, reflektiert Reiner Ruthenbeck (1937-2016) im Gespräch mit Magdalena Holzhey, nachdem er ausführlich zu all seinen Werkphasen Auskunft gab. Seine Äußerungen erlauben einen fundierten Überblick über sein Schaffen und die konzeptuellen Ideen, auf denen seine Arbeiten beruhen. Saskia Menchs Unterredung mit Reiner Ruthenbeck dreht sich um die von ihm verwendeten roten Stoffe hinsichtlich Glanz, Struktur und Farbe und formuliert grundsätzliche Leitlinien für die Konservierung dieser Werkserie. Neben einer roten Tucharbeit aus dem Jahr 1973 zeigt die Ausstellung auch Stoffproben, aus denen die Vielfalt an Möglichkeiten zur Definition der Farbe Dunkelrot eindrucksvoll hervorgeht.

Ausstellungsansicht mit Werken von Jochen Gerz und Reiner Ruthenbeck, Foto: Stiftung Kunstfonds

Die Ausstellung „O-Töne“ führt die Stimmen der Künstler räumlich und inhaltlich mit ihren Werken zusammen. Die dem künstlerischen Schaffen der einzelnen Künstler zugrundeliegenden Konzepte und Ideen werden vom Künstlerarchiv in Form von Interviews aufgezeichnet, um sie zusammen mit den Exponaten dauerhaft zu erhalten. Neben Informationen zur von den Künstlern intendierten Deutung, zu Inszenierung und Illustration der Werke, fangen die Interviews auch Stimmungen ein, die im Oeuvre jeweils mitschwingen. Die O-Töne dienen als Information und Arbeitsbasis für den vertiefenden Umgang mit den Kunstwerken für Leihgaben, Ausstellungen, Wiederaufführungen und wissenschaftliche Veröffentlichungen.

HORST BARTNIG im Gespräch mit Berit Hempel (Juni 2018). ANHÖREN

JOCHEN GERZ im Gespräch mit Ulrike Förster (Juli 2018) und Berit Hempel (Oktober 2018). ANHÖREN

REINER RUTHENBECK im Gespräch mit Saskia Mench (Februar 2015). ANHÖREN

REINER RUTHENBECK im Gespräch mit Magdalena Holzhey (Juli bis November 2010). ANHÖREN

 

WDR 3-Beitrag von Peter Backof, "Künstler im Ohr: O-Töne in der Abtei Brauweiler", Kultur am Mittag am 14. Juni 2019. NACHHÖREN

Ausstellungsansicht mit Werken aus der Serie "Unterbrechungen" von Horst Bartnig, Foto: Stiftung Kunstfonds

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Berit Hempel und wurde unterstützt durch den Freundeskreis der Abtei Brauweiler und die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur.

Das Archiv für Künstlernachlässe wird gefördert von der VG Bild-Kunst, dem LVR und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind donnerstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 02234-4351420.