Horst Bartnig

15. Juni – 15. Juli 2018

Ausstellungsansicht Horst Bartnig, Foto: Stiftung Kunstfonds, ©Horst Bartnig

Im Mai 2018 übergab Horst Bartnig (geb. 1936 Militsch / Schlesien, lebt in Berlin) ein erstes Konvolut seines Werks an das Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds. Diese Arbeiten werden vom 15.6. bis zum 15.7.2018 im Winterrefektorium des LVR-Kulturzentrums Abtei Brauweiler ausgestellt.

 

Ausstellungsansicht Horst Bartnig, Foto: Stiftung Kunstfonds, ©Horst Bartnig

Seit 1964 arbeitet Horst Bartnig konstruktiv-konkret, was ihn „in der ostdeutschen Kunstszene zum Ausnahmekünstler macht“ (zit. n. Eugen Blume, Magdeburg 2017). Beeindruckt von Kasimir Malewitschs Schwarzem Quadrat und dessen Ideen zur gegenstandslosen Welt verfolgt Bartnig weitestgehend unabhängig vom DDR- Kunstgeschehen einen klaren Bildaufbau in seiner Malerei und verwirft jegliche Spontanität im Arbeitsprozess. Technisch unterstützt wird dieses Vorgehen durch die Möglichkeit, bereits ab 1975 im Kernforschungszentrum Rossendorf und ab 1979 mit Mathematikern und Programmierern des Zentralinstituts für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof zusammenzuarbeiten. Unter den  Voraussetzungen entwickelt er eine Malerei, die formal und farblich in visueller Eindrücklichkeit mathematisch errechnete Entwicklungsreihen variiert. Das Ergebnis ist mehr als die Illustration rechnerisch möglicher Kombinationen von Farben und Flächen. Nach seinen eigenen Versuchen, mögliche Konstellationen mit Hilfe von Schablonen zu erfassen, übertrug Bartnig die Berechnung an die Mathematiker. Diese ermittelten nach den Vorgaben des Künstlers anhand des Computers die genaue Anzahl der Möglichkeiten, die Anordnung der jeweiligen Formen und Farben zu variieren. Die Zahlen werden im Titel als Teil des Kunstwerks benannt. Grafische Serien entstehen auf der Grundlage errechneter Variationen per Plotter ab 1979 als erste Computergrafiken Bartnigs, nachdem er in Adlershof Gelegenheit erhält, einem Hewlett Packard 9800- Rechner bei der Erstellung extrem exakter Striche zuzusehen.

Ausstellungsansicht Horst Bartnig, Foto: Stiftung Kunstfonds, ©Horst Bartnig

Diese Erfahrung löst bei Bartnig die Werkgruppe der Unterbrechungen aus, zunächst grafisch, dann malerisch umgesetzt. Einige dieser bislang ungezeigten, zwischen 1990 und 2006 entstandenen Bilder werden nun in der Ausstellung des Künstlerarchivs gezeigt. Das, was der Computer nicht zeichnet, die vom Künstler bewusst eingefügten Unterbrechungen zwischen den Strichen, werden zu Bartnigs persönlicher Handschrift im technikbasierten Prozess. Analog zur Pause, zum Nicht-Gespielten in der Musik, thematisiert er in der Malerei die visuelle Pause und damit das Unsichtbare. Durch die Auswahl der Farben, die für Bartnig extrem wichtig ist als Komplementärfarben oder in Warm-Kalt-Kontrasten, ergeben sich weitere Möglichkeiten, die unterbrochenen Linien zu rhythmisieren und zu dynamisieren.

Ausstellungsansicht Horst Bartnig, Foto: Stiftung Kunstfonds, ©Horst Bartnig

Es entstehen Wechselwirkungen zwischen berechneter Struktur und gewählter Farbe. Trotzdem bleibt Horst Bartnig ein Maler, der authentisch mit Farbe auf Leinwand ein konsequentes Werk erarbeitet und jede programmatische Vorgabe von Computer und Drucker kritisch hinterfragt und ggf. korrigiert. So wird die Kunst Horst Bartnigs individualisiert und letztlich komplementiert durch seine Verwendung von Farben. Dies wird in den ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Variationen besonders deutlich. Die in quadratische und rechteckige Felder regelmäßig eingeteilten Bilder verlieren angesichts leuchtender Farben jede Strenge, was überrascht angesichts der klaren strukturellen Vorgaben. In der Ausstellung wird zudem eine Auswahl aus 146 dreidimensionalen hölzernen Variationen gezeigt, die auf der Grundlage einer gleichen Anzahl quadratischer und rechteckiger Grundformen die verschiedenen Optionen vorstellt, miteinander in Beziehung gesetzt zu werden.

Ausstellungsansicht Horst Bartnig, Foto: Stiftung Kunstfonds, ©Horst Bartnig

Horst Bartnig studierte ab 1954 an der Kunstgewerbeschule Magdeburg Bühnenmalerei. Zunächst in Weimar und später in Berlin war er bis zu seiner Pensionierung als Bühnenmaler tätig. In dieser Zeit begleitete er das Deutsche Theater gelegentlich auf Auslandsreisen, bei denen er 1987 erste Begegnungen in Zürich mit den Künstlern Richard Paul Lohse und Max Bill organisieren konnte. Bereits 1984 erhielt Horst Bartnig den Preis der 7. Norwegischen Grafikbiennale in Frederikstad, 1993 den Will-Grohmann Preis der Akademie der Künste in Berlin, 2001 den Hannah Höch Preis. Seine Werke sind u.a. in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, der Berlinischen Galerie, dem Josef-Albers Museum Bottrop, der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, der Sammlung Teufel im Kunstmuseum Stuttgart und dem Museum für Konstruktive und Konkrete Kunst in Zürich vertreten.

 

Die Ausstellung des Künstlerarchivs wird gefördert durch die VG Bild-Kunst und die Staatsministerin für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der TH Köln – CICS Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft und wird unterstützt durch den Landschaftsverband Rheinland und den Freundeskreis der Abtei Brauweiler.

Die Öffnungszeiten sind donnerstags bis samstags jeweils von 15 bis 17 Uhr.