Zweck und Aufgabe der Stiftung Kunstfonds ist die Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst in Deutschland.

Alljährlich werden rund 70 Künstlerinnen und Künstler, Galerien, Kunstvereine, Museen, freie Kuratoren und Verlage mit bis zu 1,1 Millionen Euro insgesamt unterstützt, und zwar durch Stipendien, Projekt- und Ausstellungsförderungen oder Publikationszuschüsse. Der mit 25.000 Euro dotierte "HAP-Grieshaber-Preis der VG BILD-KUNST" wird jedes Jahr an eine Künstlerin oder einen Künstler vergeben.

Über die Förderungen entscheiden unabhängige Jurys, denen mehrheitlich Künstlerinnen und Künstler angehören. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die künstlerische Arbeit der Stipendiaten und die Projekte einem bundesweiten Qualitätsmaßstab entsprechen müssen. Die Jurys richten Ihr Augenmerk besonders auf die Unterstützung des künstlerisches Nachwuchses und die Mitfinanzierung innovativer Projekte, die durch das Raster des zunehmend kommerzialisierten Kunstbetriebes zu fallen drohen.

Aus rund 1500 Bewerbungen, die pro Jahr vorliegen, wählen drei Jurys die Stipendiaten und die zu fördernden Projekte bzw. die Ausstellungs- und Publikationsförderungen aus. Die Mitglieder dieser Jurys werden vom Stiftungsrat für jeweils drei Jahre gewählt und können maximal einmal wiedergewählt werden, nach sechs Jahren muss jedes Mit­glied unwiderruflich aus der Jury ausscheiden. Für alle Beteiligte ist wichtig, dass nicht "Verbandsfunktionäre" in der Jury agieren sondern fachlich und künstlerisch qualifizierte unabhängige Persönlichkeiten, die die Förderanträge ausschließlich nach ihrer inhaltlichen Qualität begutachten.

Vor dem Hintergrund ihres professionellen Fachwissens urteilen die Juroren über die Konzepte der vorgestellten Projekte, über kunstspezifische Fragestellungen oder über deren Innovationsgehalt und beispielhaften Charakter. Über die Arbeitsstipendien und Projektzuschüsse an Einzelkünstler entscheiden zwölf bildende Künstler, zwei Kunstvereinsleiter und zwei Galeristen. In der Jury für Ausstellungsprojekte und Dokumentationen, die von Künstlern und Kunstvermittlern vorgestellt werden, tagen sechs bildende Künstler, ein Kunstvereinsleiter und ein Galerist. Die Jury für die Werkverzeichnungen, die auch die Aufnahmen für das Archiv für Künstlernachlässe empfiehlt, besteht aus sechs bildenden Künstlern, einem Galeristen und einem Museumsvertreter. Mit all diesen sachkundigen Fachleuten, die in verschiedenen Regionen Deutschlands leben und arbeiten, ist das vorhandene professionelle Basis-Wissen so breit und umfassend wie nur irgend möglich, damit die aus allen Bundesländern eingereichten Bewerbungen auch adäquat eingeordnet und beurteilt werden können. Die speziellen Sachkenntnisse, die jeder einzelne Juror mit einbringt, sorgen für eine größtmögliche Objektivität bei der "Qual der Wahl".

Zu den Fachjuroren kommt als Vertreter der öffentlichen Hand, die den Löwenanteil der Fördergelder zur Verfügung stellt, ein von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien benanntes Kuratoriumsmitglied hinzu. Bei Förderentscheidungen innerhalb der Jury hat dieses Mitglied allerdings kein Stimmrecht, da die inhaltliche Qualität der Kunstwerke nur von kundigen Fachleuten beurteilt werden soll.

Im 2010 eröffneten Archiv für Künstlernachlässe werden wichtige Positionen der Gegenwartskunst bewahrt. Das Künstlerarchiv ist eine neuartige Einrichtung, die sich unabhängig von den Moden des Kunsthandels oder musealer Konzepte um künstlerische Lebenswerke bzw. wesentliche Werkkomplexe aller Schaffensphasen eines Künstlers/einer Künstlerin kümmert, um die künstlerische Idee und deren gesellschaftliche Relevanz öffentlich zu halten.

Geschichte

Im Frühjahr 1980 beschloss der Deutsche Bundestag, fünf Millionen Mark für die Förderung zeitgenössischer bildender Kunst zur Verfügung zu stellen. Damit war der Weg frei für die Konstituierung des Kunstfonds, der seine Arbeit im Herbst 1980 als gemeinnütziger Verein begann und 1981 zum erstenmal Stipendien an bildende Künstlerinnen und Künstler vergeben und künstlerische Projekte unterstützen konnte.

Die Gründungsmitglieder des Kunstfonds waren der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, der Deutsche Künstlerbund, die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde, der Bundesverband Deutscher Galerien, die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und die Künstlerin Rune Mields. Später kamen das Internationale Künstlergremium und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine hinzu.

Ende 2000 wurde der Verein in die "Stiftung Kunstfonds zur Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst" umgewandelt, um die Fördertätigkeit der vergangenen 20 Jahre auch zukünftig mit gleicher Qualität langfristig fortsetzen zu können. Zusätzlich können nun auch Zustiftungen verwaltet und nachgelassene Kunstwerke im Archiv für Künstlernachlässe betreut werden. Mit Ausnahme von Rune Mields sind alle früheren Vereinsmitglieder heute im Stiftungsrat vertreten, dem von 2005 bis 2016 auch die Kulturstiftung des Bundes angehörte.

Aussichten

Vor allem für jüngere Künstlerinnen und Künstler ist der Kunstfonds mittlerweile die wichtigste bundesweite Fördereinrichtung geworden, da die Arbeitsstipendien – gerade in der Zeit nach der Ausbildung – einen finanziellen Freiraum schaffen, der für die Entfaltung der künstlerischen Qualität unerlässlich ist. Auch unterstützt der Kunstfonds oft unkonventionelle Veranstalter – darunter viele Kunstvereine, Galerien und Museen –, die in ihrem Bemühen künstlerische Qualität zu zeigen, zunehmend in den Schatten der Event-Kultur geraten. Besonders liegen dem Kunstfonds innovative, häufig spröde und schwer vermittelbare Projekte am Herzen.

In der Förderliste des Kunstfonds stehen viele bekannte Namen der jüngeren deutschen Kunstszene. Dies wäre noch kein Verdienst, wenn nicht das Jahr der Förderung berücksichtigt werden würde – hier zeigt sich, dass der Kunstfonds frühzeitig das Gespür für heranwachsende Talente hatte und die Förderung gezielt einsetzte. Mittlerweile sind die Stipendiaten der 80er und der frühen 90er Jahre – damals fast unbekannt – weltweit in wichtigen Ausstellungen und Biennalen vertreten, in großen Museen und Sammlungen präsent.

Mit zunehmender Enge in den öffentlichen Kassen wächst die Anspruchshaltung an den Kunstfonds. Wenn Sponsoren mangels Bekanntheit der hochqualifizierten Künstlerinnen und Künstler oder wegen des schwierigen Zugangs zu deren oft unbequemer Kunst zurückschrecken und ihre privaten Mittel nicht einsetzen, bleibt der Kunstfonds als Ansprechpartner immer wieder die einzige Hoffnung.

Die Förderung von innovativer zeitgenössischer bildender Kunst durch die Stiftung Kunstfonds hat sich als effektiv und unverzichtbar erwiesen. Dementsprechend wurden die zur Verfügung stehenden Bundesmittel - ermöglicht durch die Kooperation mit der Kulturstiftung des Bundes - seit 2004 deutlich erhöht. Der Kunstfonds sieht dies als Bestätigung seiner bisherigen Arbeit und als Aufforderung, seine Anstrengungen fortzusetzen und zu intensivieren.

Die Arbeit des Kunstfonds ist in den Kulturdebatten des Deutschen Bundestages stets positiv gewürdigt worden. Unser Dank gilt den Mitgliedern des Bundestages, der zuständigen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, der Kulturstiftung des Bundes und den Kultusministerien der Bundesländer für die fortdauernde Rückendeckung und Unterstützung, ohne die der Kunstfonds seine wichtige Aufgabe nicht erfüllen könnte.