15. Mai 2017

Masterarbeit zur Partizipation im Werk von Jochen Gerz

Zur „Partizipation im Werk von Jochen Gerz am Beispiel von A Danish Exorcism, 1976“ schrieb Anna Ontrup bei Jun. Prof. Ulli Seegers am Kunsthistorischen Institut der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf in Kooperation mit dem Archiv für Künstlernachlässe jüngst ihre Masterarbeit.

Das konzeptuelle Werk A Danish Exorcism umfasste in der 1976 Ausstellung der Museumsbibliothek von Ringkøbing einen von Jochen Gerz verfassten Text über seine allererste Erfahrung als Ausstellungsbesucher. Der dreiseitige Text enthielt als Teil des Werks die niedergeschriebene Einladung an das Publikum, per Polaroidkamera und selbst verfasstem Text einen eigenen Beitrag zu der 1976er Ausstellung zu schaffen. Entstanden sind daraufhin eine Reihe eigenständiger Erfahrungsberichte der Besucher, die in das Werk einflossen. Anna Ontrup erhielt im Archiv Zugang zu Werk, Dokumentation und Literatur und sie erhielt im Interview mit Jochen Gerz seine Definition von Partizipation.

Bei A Danish Exorcism trat Jochen Gerz 1976 als konzeptueller Initiator, nicht aber als Ausführender der eigenen Arbeit auf und hinterfragte auf diese Weise die Künstlerrolle genauso wie den Ausstellungsbetrieb im bis dahin tradierten Sinn. Gerz erläutert dazu im Interview mit Anna Ontrup: „Mehr als um Partizipation geht es mir um öffentliche Autorenschaft. Es geht mir um die Aufhebung der Grenze zwischen Künstler und Öffentlichkeit. Öffentliche Autorenschaft bedeutet Metamorphose. Die Kunst geht in Gesellschaft über. (…) Es geht mir um die Weiterführung. Es liegt mir nichts daran, dass die Kunst als Kunst überlebt, sondern dass die Energie unseres Denkens und Empfindens weiterlebt. Ob das möglich ist, weiß ich nicht.“

Zu konzeptuellen Werken wie A Danish Exorcism von Jochen Gerz ist die Sicht des Künstlers im schriftlich fixierten Interview für das Archiv ein genauso wertvolles Forschungsergebnis wie der von Anna Ontrup zusammengetragene Diskussionsstand zur partizipativen Kunst. In der Masterarbeit nimmt Anna Ontrup eine Einordnung des untersuchten Werks in Gerz‘ Oeuvre und in zeitlich parallele Partizipationstendenzen vor und untersucht die künstlerische Rolle hier und in späteren Projekten wie „2 – 3 Strassen“ zur Ruhr.2010 und dem „Platz des europäischen Versprechens“ in Bochum, mit denen Gerz maßgeblich zur Weiterentwicklung des Partizipationsbegriffs in der Kunst beigetragen hat. Die Erkenntnisse ermöglichen dem Archiv ein Verständnis des künstlerischen Konzepts als Ausgangspunkt für  einen professionellen Umgang mit den Werkkomplexen auf aktuellem Forschungsniveau. 

Seit Eröffnung des Künstlerarchivs sind in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Düsseldorf, der Maastrichter Universität und dem CICS – Institut für Restaurierung und Konservierung an der TH Köln vielfältige kunstgeschichtliche oder restaurierungswissenschaftliche Masterarbeiten entstanden. Übungen für Studierende wurden zudem an den Originalen und Archivalien durchgeführt. Das Archiv stellt die Kunstwerke der Vor- und Nachlässe sowie begleitende Ephemera aus dem Atelier der Künstler, Pressearchive und Literatur zur Verfügung.

 

Abbildung: Jochen Gerz, A Danish Exorcism/ Ein Dänischer Exorzismus/ Un Exorcisme danois, 1976, Inv. Nr. 2014/588, 21 Rahmen je 29,5 x 15,7 x 0,7 cm Hochformat, Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn