Otto Dressler, Otto (Sichtbehinderung), 1970, Schwarz-Weiß Fotografie, 127,5 x 54,5 x 1,7 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Otto Dreßler, Schreibweise meist Dressler, (1930 Braubach - 2006 München) war ein deutscher Aktionskünstler und Bildhauer, der sich selbst »Verfremder« nannte. Nach seiner Ausbildung zum Steinmetz an der Werkkunstschule Wiesbaden arbeitete er als freischaffender Bildhauer.

Seit Beginn der 1960er Jahre entwickelte Dressler performative politische Aktionen, in denen er vorzugsweise im öffentlichen Raum Straßenaktionen unter Einbezug zufälliger Passanten ausführte. Traumatische Erleb- nisse während des 2. Weltkriegs und die politischen und gesell- schaftlichen Umwälzungen der Nachkriegsjahre haben seine spätere politische Haltung maßgeblich geprägt. Mit Kunst- aktionen und Werken, die sich vor allem kritisch mit den Themen Krieg, Faschismus, Gewalt, Kapitalismus und gesellschaft- lichem Leid auseinandersetzten, versuchte er zur kritischen Auseinandersetzung mit machthabenden Institutionen und jüngsten politischen und gesellschaftlichen Ereignissen aufzurufen.

Dresslers Einsatz künstlerischer Mittel setzte hierbei vor allem auf die Provo- kation. Durch plakative Bilder und theatralische Handlungen sollte nicht nur die beiläufige Aufmerksamkeit des Betrachters gereizt werden, sondern sein politisches Handeln insgesamt hinterfragt werden. Die für oder während der Aktionen entstandenen Werke dienten nicht in erster Linie einer künstleri- schen Produktion, sondern Dressler verstand sie vielmehr als visuelle Argumente. Dabei brachte ihm die satirische Verfremdung von politischen Emblemen seinen Ruf als »Verfremder« ein. Ganz im Sinne der Dadaistischen Tradition sowie der in den sechziger Jahren entstandenen Happening-Kunst übte Dressler auf performative und provokative Art seine politischen Aktionen aus. Assemblierte Bildkästen erschuf der Künstler aus Hakenkreuzen, Fahnen, Gewehren, Wappen oder anderen politischen Emblemen, die er zum Beispiel mit künstlichem Blut aus Polyurethane übergoss. Großformatige Bild- und Texttafeln, die sogenannten »Aktionsbilder«, unterstrichen bildhaft die Ausführungen. Seine Kunstaktionen führten mitunter zu sehr kontroversen Diskussionen.

Von 1983 bis 1986 war Otto Dressler Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Bildender Künstler. 1990 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Das Archiv für Künstlernachlässe verwaltet Bildkästen, Objekte und Aktionsbilder aus allen Jahrzehnten seines Schaffens.