Otfried Rautenbach (1942-2016) machte eine Setzerlehre in Köln, bevor er die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt besuchte. 1962 und 1964 studierte er dort bei Stockhausen, Ligeti, Boulez und Heinz-Klaus Metzger. Rautenbach machte sich als Schriftsetzer, Zeichner, Fotograf und Komponist einen Namen. In dem von ihm gegründeten Verlag »Hagar« erscheinen neben Büchern auch Partituren. Häufig übernimmt Rautenbach den »Buchschmuck« für Publikationen befreundeter Künstler.

Ofried Rautenbach, Plakat zur Ausstellung 1983 im Westfälischen Kunstverein Münster, 85 x 60 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn

Von 1963 bis 1967 veröffentlichte er Zeichnungen unter dem Pseudonym Friedrich Leinbereiter. Die seltsam anmutenden, häufig farblosen Bleiststift-Skizzen ähneln Funktionsskizzen wie sie Erfindungen zugrunde liegen, ohne dass die einzelnen Figuren und Motive jedoch ein zusammenhängendes Bild ergeben.

Für seine Fotoserien, die »Permanentschauen«, arbeitet Rautenbach mit einer Halbformatkamera, die zwar einen üblichen Kleinbild- film verwendet, diesen aber auf 18 x 24 mm belichtet, dem ursprünglichen Stummfilm-Kinoformat. Dadurch verdoppelt sich die Bildanzahl. Die Dia-Serien zeigte er durch das Schaufenster seiner Heidelberger Wohnung dem zufällig vorbeilaufenden, nächtlichen Publikum.

Später gründete Rautenbach die OR-Film-Ton-Corporation. Es kam zu einigen Aufführungen des Vereins in München, Heidelberg und Berlin. Rautenbach arbeitete nun mit 16mm-Filmen, die er mit eigens komponierter Live-Musik vorführte. Sowohl in Berlin, als auch später in anderen Städten organisierte er Salon-Konzerte mit Neuer Musik.

Dem Archiv für Künstlernachlässe der Stiftung Kunstfonds hat Rautenbach zwei Zeichnungskonvolute überlassen. Fotografische Arbeiten sollen folgen.