Juli 2003 bis Juni 2004


Die so skurrilen wie spitzbübischen, so scheinbar naiven wie naturnahen Objekte und Raumeingriffe von Thaddäus Hüppi sind oftmals in die Nähe surrealistischer Tradition gerückt worden. Aber Vorsicht: Solche Interpretationen übersehen allzu leicht, dass diese Artefakte vor allem Eines sind: Realität. Der Bildhauer setzt seine Skulpturen, wenn man diese Kleinplastiken – auch dieser Begriff scheint irgendwie nicht ganz zu stimmen – so bezeichnen will, meist aus einfachen Realitätspartikeln zusammen und stellt sie dann in wirkliche Räume hinein. Und schwupp: Es ist Kunst – in situ, sensibel, surrealistisch ...

Schauen wir uns also eine Arbeit des Künstlers einmal näher an, etwa seinen „Wasserspeier“ (2002): Auf einem weißen Sockel steht ein rotes kopfähnliches Teil, drei lange Haare stehen ihm wie geknickte Drähte „zu Berge“, aus seinem Mund sprießt ein Wasser- strahl, der schließlich in einer handelsüblichen grünen Regentonne landet.

Einen Springbrunnen also stellt das seltsame Ensemble vor, doch kaum etwas großartig Repräsen- tatives wie sonst bei einem Spring- brunnen üblich, findet sich bei diesem „Wasserspeier“. Vielmehr verlacht die im Titel angesprochene und von dem clownsroten Kopf dann tatsächlich ausgeführte Tätigkeit solch hochgestochene Erwartungen kompromisslos – ohne allerdings an poetischer Kraft einzubüßen. Im Gegenteil: Ist es nicht so, dass das im öffentlichen Raum allzu oft missbrauchte Genre „Springbrunnen“ gerade durch das Verlachen offizieller Ansprüche seine Würde, Ästhetik und Realität wiedergewinnt?

Eben dies nämlich macht Hüppis Kunst aus: Poetisch, intelligent und ein wenig romantisch zugleich ignoriert sie verabredete Standards, um so eine eigene Realität zu behaupten, die sich ein Lächeln schert um das, was man ihr abverlangt.

Raimar Stange

 

Die Ausstellung wurde unterstützt von der VG Bild-Kunst.

 

© Thaddäus Hüppi

© Fotos: Achim Kukulies