September 2012 bis Mai 2013

Jörn Stoyas für die Ausstellung "Instrumentals" produzierten Arbeiten nehmen gleich auf mehreren Ebenen Bezug auf die architektonischen Gegebenheiten des KUNSTFONDSKUNSTRAUM.

Inhaltlicher Ausgangspunkt ist Stoyas Beschäftigung mit dem Unterbewusstsein, das der Künstler als räumliche Größe auffasst. Als künstlerisches Element hierfür benutzt er Spiegel auf unterschiedliche Weise.


Besonders anschaulich wird dies anhand von drei Arbeiten auf Polystyrolspiegeln, die der Künstler mit Markern in schnellen, spontanen Gesten mit abstrakten Motiven bemalt hat. Diese schichtweise angelegten Malereien sind an einigen Stellen verwischt und zerkratzt, an anderen Stellen wurden sie mit dem Pinsel überarbeitet. Horizontale Linien, die die Bildfläche wie ein Regal unterteilen, erzeugen eine Kontur und verweisen auf die Funktion der Bilder als Bibliothek, als "Wissenstresor" für Erinnerungen und Gedanken. Der metallische Glanz der Bilder grenzt die Arbeiten zwar gegenüber ihrer Umgebung ab, gleichzeitig eröffnen sich aber durch die reflektierenden Oberflächen der Polyesterfolie und durch die Spiegelung der Werke ineinander vielfältige Blickbeziehungen im Treppenhaus. Dem Besucher, der sich ebenfalls in den Werken spiegelt, kommt dabei eine ungewöhnliche Rolle zu: Zumindest für eine kurze Zeit wird er Teil des Bilds und der Ausstellung.

Auch die Bildtitel verweisen auf eine Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsraum. Die erste Arbeit, die im Erdgeschoss des Flures zu sehen ist, trägt den Namen "Ideale Orte. up the ladder to the roof". Sie nimmt nicht nur inhaltlich Bezug auf einen gleichnamigen Song des afroamerikanischen Gesangstrios The Supremes, sondern versteht sich auch als Einladung zum Begehen der Ausstellung vom Erd- bis zum Dachgeschoss.

Eine andere Art der Spiegelung erzeugt Stoya durch drei Papierarbeiten, die auf fotografischen Aufnahmen des Treppenhauses basieren. Diese sind malerisch überarbeitet und greifen architektonische Motive des KUNSTFONDSKUNSTRAUM als Collage auf.

Die Exponate knüpfen durch diese vielfältigen Verweise ein komplexes Gefüge aus inhaltlichen und ästhetischen Beziehungen. Immer geht es dabei auch um Aspekte der Wahrnehmung, mit denen sich auch der Eröffnungsredner und Neurologe Prof. Dr. med. Henning Boecker beschäftigt. Der künstlerischen Beschäftigung mit dem Unterbewusstsein wird hier die medizinisch-naturwissenschaftliche Perspektive zur Seite gestellt.


Jörn Stoya (*1957 in Lüneburg) studierte von 1979 bis 1984 an der Kunstakademie Düsseldorf und war dort Meisterschüler bei Prof. Gotthard Graubner. 2011 war er Stipendiat der Stiftung Kunstfonds. Jörn Stoya lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Die Ausstellung wurde unterstützt von der VG Bild-Kunst.

 

© Jörn Stoya und Petra Rinck Galerie Düsseldorf