September 2008 bis Mai 2009

Im Idealfall kann ein Stipendium der Stiftung Kunstfonds die künstlerische Kreativität richtiggehend befeuern, im Mindesten jedoch die Heizkosten für Atelier und Wohnung für einen gewissen Zeitraum sicherstellen. Erwärmen wird es in jedem Fall die Gemüter der Betroffenen. Mit ihrer durchaus wörtlich zu nehmenden Installation von sich verzweigenden Rohrleitungen durch das gesamte Haus der Kultur in der Weberstraße lässt die Künstlerin Ina Weber nun die metaphorische Wärme, die via Geldsegen gemeinhin an die Künstler in der Ferne verschickt wird, im Stammsitz der bundesweit agierenden Fördereinrichtung selbst zirkulieren.

Der nicht zu vermeidende Wärmeverlust, der sich über längere Strecken notwendigerweise einstellt, wird somit entscheidend minimiert. Maximiert erscheint hingegen das Spektrum an Assoziationsmöglichkeiten, die sich bei der Betrachtung dieses mäandernden Röhrensystems mittels "Überflurverlegung" einstellen mögen, ist doch unsere risikoreiche Abhängigkeit von Röhren, um den benötigen Energiehaushalt zu gewährleisten nicht erst in den letzten Wochen und Monaten vor dem Hintergrund weltpolitischer Entwicklungen nur zu evident geworden - weil immer auch von der existenziellen Angst begleitet, in eben eine solche zu schauen.

Dass Geld- und Energieströme schon immer aufs Engste miteinander verwoben sind, macht daher nicht zuletzt die hilflos erscheinende Empfehlung seitens der Politik deutlich, man möge sich eben angesichts desolater Haushaltskassen warm anziehen. Im Gegenzug zur globalen Erwärmung der Erde scheinen die Gefühle zu erkalten.

Es gehört zur subversiven künstlerischen Strategie Ina Webers, ihren Blick auf die urbanen, von Menschenhand geformten, zumeist profan-banalen und damit nahezu aus dem Bewußtsein entschwundenen Stadtmöblierungen zu richten und uns überraschend eigenwillig anmutende Versatzstücke daraus in heiter entlarvenden, aber auch befremdlich dimensionierten Modellsituationen vor Augen zu führen. Es wird sich zeigen, ob die Fernwärmeleitung von Ina Weber im Haus der Kultur im Verlauf der recht langen Ausstellungszeit von den MitarbeiterInnen des Hauses als zum unhinterfragten Inventar gehörig wahrgenommen wird, oder fortwährend für leicht erhöhte Temperaturen zu sorgen vermag. Zunächst jedoch gilt es, den kommenden Winter zu überstehen. Mit der Installation von Ina Weber ist der Kunstfonds hierfür bestens gerüstet.

Ina Weber (*1964 in Diez a. d. Lahn) absolvierte ihr Studium in den Jahren 1989 bis 1994 an der Kunsthochschule Kassel, u.a. bei Friedrich Salzmann, Harry Kramer und Martin Kippenberger. Das Stipendium des Kunstfonds erhielt sie im Jahre 2007. Ina Weber lebt und arbeitet in Berlin.

 

Die Ausstellung wurde unterstützt von der VG Bild-Kunst.

 

© Ina Weber