Im Bewusstsein des niemals versiegenden Stroms digitaler Bilder, dem wir heutzutage ausgesetzt sind, reflektiert Viktoria Binschtok mit ihren hochästhetischen fotografischen Arbeiten das Medium Fotografie selbst.

Neben eigenen Fotografien verwendet die Künstlerin (*1972 Moskau, lebt in Berlin) Bilder aus dem Fundus des Internets und anderer medialer Bildquellen. Damit befindet sie sich sozusagen im Dialog mit den Algorithmen von Bildersuchmaschinen und entwickelt daraus grundsätzliche Fragen nach unserem Umgang mit Bildern, ihrer Herkunft und ihren gesellschaftlichen und politischen Funktionen. Wer macht Bilder? Wer setzt diese zu Illustrationszwecken von was ein? Wie wandelt sich die Perspektive auf ein Bild, je nachdem wie, wo und zu welchem Zweck es präsentiert wird?

Binschtok verändert Bildkontexte und schafft neue Gegenüberstellungen. Sie wiederholt und variiert Motive. Durch diese Eingriffe beeinflusst und wandelt die Künstlerin den Blick der Betrachter auf einen bestimmten Gegenstand beziehungsweise seine Präsentation. Dafür macht sich Binschtok die Suggestionskraft verführerischer Werbeästhetik zunutze. Mit ihren ausnehmend attraktiven, zu vielgestaltigen Displays zusammengefügten Fotografien eröffnet Viktoria Binschtok einen Raum für Reflexionen über Herstellung, Präsentation und Rezeption von Bildern.

Viktoria Binschtoks Ausstellung „Golden Horn / Golden Case“ ist Teil der seit 2016 jährlich fortgesetzten Ausstellungsreihe mit Stipendiaten der Stiftung Kunstfonds und vereinigt in einem Raum der ständigen Sammlung des Kunstmuseum Bonn fünf ihrer zum Teil großformatigen, seit 2014 entstehenden „Cluster“.

„Das permanente Zeigen und Präsentieren von Bildern konstruiert nicht nur eine eigene Realität; seine Ausmaße nehmen globale Dimensionen an, denen wir uns nicht entziehen können, so wie wir uns der Vielfalt der dabei entstehenden Gefühle nicht entziehen können: wir werden von Furcht, Hass und Freude erfüllt, aber im nächsten Moment – Doppelklick - ist alles wieder weg, und wir bedienen uns immer weiter an diesem unendlichen Buffet von Banalität und menschlicher Tragödie in 72 dpi.“ Viktoria Binschtok

Viktoria Binschtok wurde 1972 in Moskau geboren und lebt seit langem in Berlin. Sie studierte von 1995 bis 2005 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und war Meisterschülerin von Timm Rautert. Einzelausstellungen (Auswahl): Zentrum für Zeitgenössische Künste, Minsk (2017), Heidelberger Kunstverein (2016), C/O, Berlin (2015), Kunstverein Göttingen (2015) sowie zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland.

Text von Dr. Barbara J. Scheuermann

23.11.2017 - 14.01.2018
In Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn.