6. April bis 15. Mai 2014

Ausstellungsansicht Ursula Burghardt, Stiftung Kunstfonds / © Nachlass Ursula Burghardt

Kölschglas, Bratpfanne und Aktentasche, diese und weitere frühe Skulpturen von Ursula Burghardt (1928 Halle/Saale - 2008 Köln) entstanden zwischen 1968 und 1970 und wurden 2014 vom Archiv für Künstlernachlässe der Stiftung Kunstfonds im temporären Ausstellungspavillon gezeigt. Skulpturen, Skizzen und Archivalien beleuchteten einen Ausschnitt aus der regen Kunst- und Kulturszene, die sich in Köln in dieser Zeit etabliert hatte und in der Ursula Burghardt zusammen mit ihrem Mann, dem Komponisten Mauricio Kagel, lebte und arbeitete.

Ausstellungsansicht Ursula Burghardt, Stiftung Kunstfonds / © Nachlass Ursula Burghardt

Unter den Einflüssen von Fluxus, Konzeptkunst und Pop Art schuf Burghardt ihre frühen Materialobjekte. Angelehnt an Alltagsgegenstände ahmt sie diese in scharfkantigem Aluminium oder weichem Matratzendrell nach. Ihre Arbeiten entsprechen dem Zeitgeist der damals in der Kunst verbreiteten Adaption realer Gegenstände und alltäglicher Motive. Ausschnitte aus Kunstzeitschriften, Kritiken zu Burghardts Galerieausstellungen sowie Skizzen und Notizen aus dieser Zeit erläuterten im Archiv für Künstlernachlässe das künstlerische und kulturelle Umfeld, in denen die Arbeiten entstanden. Ihr Entstehungsprozess wurde in der Ausstellung mit Arbeitsutensilien und Fotos aus dem Archiv veranschaulicht. Besonderes Merkmal der Skulpturen von Ursula Burghardt ist ihre Objektauswahl, mit der sie ihre Rolle als Künstlerin und als Frau auf intelligente und subtile Weise hervorhebt.

Ursula Burghardt, Aktentasche gefüllt, 1968, Stiftung Kunstfonds / © Nachlass Ursula Burghardt

Zeitgleich zu ihren frühen Skulp- turen entstanden von Ursula Burghardt Räume für Projekte von Mauricio Kagel. Sie schuf Ausstattungen für Bühnenarbeiten und Filme. Die Ausstellung im Archiv zeigte Mauricio Kagels Film „Ludwig van ...“ (1970), der mit bühnenähnlichen Kunsträumen und Requisiten von Ursula Burghardt, Joseph Beuys, Dieter Roth und Stefan Wewerka einen musikalisch untermalten, überaus unterhaltsamen Rundgang durch Beethovens Geburtshaus in Bonn unternimmt und in einer absurd-komischen Runde des Internationalen Frühschoppens ausklingt.

Ursula Burghardt emigrierte mit ihrer jüdischen Familie 1936 nach Buenos Aires, wo sie Grafik und Malerei studierte. Anfang der 1950er Jahre ging sie nach Paris und in die Lehre bei Ossip Zadkine. Nach ihrer Rückkehr nach Argentinien heiratete Ursula Burghardt 1957 den deutsch-argentinischen Avantgarde-Komponisten Mauricio Kagel und kam mit ihm zusammen nach Köln, wo sie zwischen 1957 und 1960 Metallbearbeitung bei Prof. Josef Jaekel an der Werkkunstschule studierte. Ihre Werke befinden sich u.a. im Hamburger Bahnhof Berlin, im Museum Ludwig Köln und in der Stiftung Moritzburg Halle. 2012 wurde Ursula Burghardts künstlerischer Nachlass dem Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds zugestiftet.

Die Ausstellung wurde gefördert von der VG Bild-Kunst und der Kulturstiftung des Bundes.

Eröffnungsrede von Prof. Dr. Günter Herzog, wissenschaftlicher Leiter des ZADIK, Köln

Ursula Burghardt