4. bis 27. September 2015
Winterrefektorium der Abtei Brauweiler

Installationsansicht, Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Stefan Demary (1958-2010) setzt in seiner Kunst Fundobjekte und Gebrauchsgegenstände aus dem Alltag zu Objekten und Installationen zusammen. Der Düsseldorfer Künstler unterrichtete nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf 1978-1985 bei Tony Cragg und Fritz Schwegler als Professor an der Kunstakademie Münster, der Hochschule Niederrhein in Krefeld und der Kunsthochschule Kassel. Indem Demary den Gebrauchswert der von ihm verwendeten Gegenstände durch seine Neuanordnungen untergräbt, schärft er den Blick auf die gewohnten Funktionen und die im Alltag dem Gebrauch untergeordneten Gestaltungen.

Ohne Titel, 1994, Ikea-Holzregal mit 70 Einlegebrettern, 208 x 88 x 30 cm, Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Wofür sich das Ikea Regal mit dichtgedrängten 70 Einlegeböden noch verwenden lässt, bleibt ein Rätsel. Ob die Sicherheits-Schuhe tanzend ausgeführt sind, weil sie ihrer Funktion zur Verrichtung schwerer Arbeiten entkommen sind ebenso. Stefan Demary bedient sich in seiner Kunst der Verfremdung von Alltagsgegenständen – frei nach Marcel Duchamp, den er einmal als Vorbild nannte. Auch Zitate aus der Kunst- und Kulturgeschichte verwendet er, wenn die chinesische Porzellanfigur nicht erkennen lässt, ob sie ihrem zu Boden gefallenen zerbrochenen Pendant mit Häme oder Mitleid hinterherblickt. Wiederholungen gehören ebenfalls zu Demarys Repertoire der Überführung von Gebrauchsgegenständen in Kunst.

Installationsansicht, Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Das Herrenfahrrad wird gleich mit zahlreichen Schlössern gesichert. Zur Beleuchtung einer einzigen Lampe verwendet er über 100 Mehrfachsteckdosen. Da ist die Erleuchtung garantiert über das scheinbar Vertraute, das er verfremdet und über das Liebgewonnene, das er in Frage stellt. Gängige Technikgläubigkeit und verbreitete Begeisterung für Porzellan-, Spielzeug- oder Stofftiersammlungen reißt er ein, um sie mit frischem Blick vor Augen zu führen über ihre neu zugewiesene Rolle in seiner Kunst. 

Ohne Titel, (Schuhe tanzend), 1983, Arbeitsschuhe, Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Die Ausstellung zeigt einen Ausschnitt aus dem breiten Œuvre des Künstlers, das in Zukunft durch das Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds bewahrt und öffentlich gehalten wird. Das Archiv für Künstlernachlässe wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes und der VG Bildkunst, Bonn. Die Ausstellung wird unterstützt durch den Landschaftsverband Rheinland und den Freundeskreis der Abtei Brauweiler.