27. November 2016 bis 26. Januar 2017

Wie bereits in den vergangenen Jahren gibt die Ausstellung GRAFIK AUS DEM KÜNSTLERARCHIV wieder einen kleinen Einblick in die Bestände und die Aufgaben des Archivs für Künstlernachlässe der Stiftung Kunstfonds im LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler.
Gezeigt werden Auflagen und Serien aus den Papierbeständen des Archivs, die teils auch zum Verkauf angeboten werden. Erlöse fließen in den Betrieb des Archivs. Vorgestellt werden die Neuzugänge von Martin Engelman und Andreas von Weizsäcker, dessen papierne Objekte und Grafiken aus handgeschöpftem Papier soeben in das Archiv aufgenommen wurden. Präsentiert wird auch das aktuelle Masterprojekt von Fanny Bartholdt zu Zustand und Erhaltungsstrategien der Lederobjekte Horst Egon Kalinowskis, das in Kooperation mit den Werkstätten für Restaurierung des LVR am CICS – Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft entsteht. 

Ausstellungsansicht mit Werken von Helen Spoerri, Martin Engelman und Renate Anger, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Stiftung Kunstfonds
Ausstellungsansicht mit Werken von Andreas von Weizsäcker, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Stiftung Kunstfonds

"Tabula Rasa" heißt eine Installation von 2003, die beispielhaft in der Ausstellung aus der Neuaufnahme des Nachlasses von Andreas von Weizsäcker (1956-2008) vorgestellt wird. Aus Büttenpapier wurden neben einem Tisch und einem Bürostuhl diverse vordigitale Büroutensilien wie Telefone, Aktenordner, Drucker, Bücher und Briefe aus dem Schreibtischalltag vom Künstler nachgeformt. In der scheinbaren Unordnung, die sich wie bei jeder Neuaufnahme auch für einige Tage im Archiv ausbreitete, bis alle neu eingetroffenen Objekte entpackt, konservatorisch geprüft und zur Inventarisierung und Magazinierung vorbereitet waren, steckt ein wiederkehrendes System, nach dem der Bildhauer Alltagsobjekte genauso wie Baumonumente aus Papier abformt. Durch den Materialwandel verleiht er ihnen eine neue Dimension der Fragilität.

Ebenfalls neu aufgenommen wurde 2016 der Nachlass des Malers und Grafikers Martin Engelman (1924 Hoenkoop, NL - 1992 München). Engelmans Malerei und Grafik lehnt sich zunächst an stilistisch-gestische Mittel der COBRA-Bewegung und der École de Paris an, verbleibt aber im Unterschied zu diesen gegenständlich. In den 1960er Jahren entwickelt Engelman eine immer eindeutigere figürlich-farbenfrohe Malweise mit expressiv-symbolistischen Gestalten. In der Grafikausstellung werden Lithografien des langjährigen Berliner Professors für Malerei aus verschiedenen Schaffensphasen vorgestellt.

Im Rahmen der Ausstellung stellt Fanny Bartholdt ihr Masterprojekt zum künstlerischen Werk von Horst Egon Kalinowski (1924-2013) vor, das in Kooperation mit dem CICS Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft und den Restaurierungswerkstätten des LVR Amtes für Denkmalpflege im Rheinland entsteht. Die Kunstwerke Horst Egon Kalinowskis werden in seiner eigenen Stiftung betreut, die treuhänderisch von der Stiftung Kunstfonds verwaltet wird. Schon früh experimentierte Horst Egon Kalinowski mit dem Einsatz verschiedener Materialien in seiner Kunst und verwendete ab 1960 vor allem Leder. Fanny Bartholdt untersucht anhand ausgewählter Objekte aus den Kunstbeständen der Nachlass-Stiftung Prof. Horst Egon Kalinowski die Zustandsentwicklung des Leders, um geeignete Pflege- und Magazinierungskonzepte für die Zukunft aufzuzeigen.

Masterprojekt zum künstlerischen Werk von Horst Egon Kalinowski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Stiftung Kunstfonds

Renate Angers (1943-2008) Kunst ist selbstreferentiell und findet durch Reduktion und Wiederholung von Farbe und Form ihre Dichte und leuchtende Intensität. Zwischen 2003 und 2005 entstand eine Serie spontan ausgeführter Aquarelle auf Papier, in denen die Künstlerin mit Farbdichte und Formanordnung experimentiert.

Ausstellungsansicht mit Werken von Gerda Brodbeck, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Stiftung Kunstfonds

Gerda Brodbecks (1944-2008) zentrales Thema ist der Mensch. Mit flüchtigen Strichen kreiert Brodbeck intime zeichnerische Bildnisse ihrer Figuren unter Rückgriff auf Vorlagen privater Fotografien, aus Büchern und Zeitschriften. Die zur Ausstellung in Stuttgart von ihr entworfenen zwei Grafikmotive zeigen die Entstehungsschritte ihrer Werke von der ersten noch flüchtigen Idee bis zum vollendeten verkäuflichen Motiv. Interessant ist der Bezug im Motiv der „Kopistin“, zu dem historischen Motiv des „Falschspielers mit Karo-Ass“ des Malers Georges de la Tour aus dem 17. Jahrhundert, das er gleich zweifach vermutlich in Durchpaustechnik gefertigt hat. Brodbeck verweist so in vielschichtiger Weise auf das Verhältnis von Orginal – Fälschung – und eigener Kopie.

In Ludger Gerdes‘ (1954-2008) Skizzen, Bildern, Skulpturen und Fotos beschäftigt sich der Künstler mit der Frage der Darstellbarkeit von Ideen und seiner eigenen Rolle im System Kunstbetrieb. In den ausgestellten Editionen thematisiert Gerdes Grundbegriffe als Anreiz für (kunst-)theoretische Betrachtungen. Von Ludger Gerdes wird noch bis Ende Januar 2017 eine umfassende Einzelausstellung im Museum Haus Lange in Krefeld mit zahlreichen Leihgaben aus dem Archiv gezeigt, die ab Februar 2017 in der Kunsthalle Kiel zu sehen ist. Parallel zur Ausstellung entstand eine ausführliche Monografie, zu der das Künstlerarchiv zahlreiche Materialien beigetragen hat.

usstellungsansicht mit Werken von Ludger Gerdes und Siebdrucken von Gerhard Wind, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Stiftung Kunstfonds

Von Erich Lütkenhaus (1924-2010) werden Prägedrucke gezeigt. Die Drucke veranschaulichen Lütkenhaus‘ Suche nach der Gesetzmäßigkeit geometrischer Grundformen. Die aktuelle Kunstgeschichtsschreibung reiht den Künstler wegen seiner konstruktiv-systematischen Arbeitsweise in die Tradition der konkreten Kunst ein.

Arbeitsaufenthalte in Afrika, New York und Berlin bereicherten Helen Spoerris (1937-2011) Formensprache, die sie in Aquarellen, Zeichnungen und Collagen festhielt. Als Autodidaktin arbeitete sie sich in verschiedene künstlerische Techniken ein und schuf neben zeichnerischen Werken eine Fülle an Künstlerbüchern.

Gerhard Wind
s (1928-1992) umfangreicher grafischer Nachlass dokumentiert seine stilistische Entwicklung von einer ersten Abstraktion, geprägt von der zeitgenössischen Kunst der frühen 1950er, über die 60er Jahre, in denen er neben gestischen Elementen einen tektonischen Bildaufbau wählt, bis hin zu späteren Kunst-am-Bau Entwürfen und Ausführungen, die zunehmend abstrakt-geometrisch aufgebaut sind. In der Ausstellung werden neben einigen frühen Zeichnungen vor allem späte Skizzen gezeigt.

Das Archiv für Künstlernachlässe der Stiftung Kunstfonds wird unterstützt von der VG Bild-Kunst Bonn und dem LVR.