9. bis 18. Dezember 2015 und 12. bis 29. Januar 2016

Die jährliche Ausstellung „Grafik aus dem Künstlerarchiv“ zeigt Auflagen und Serien aus den Papierbeständen des Archivs. Die grafischen Arbeiten geben Einblicke in die verschiedenen künstlerischen Positionen, Themenwelten und Arbeitsweisen der Künstler. Einzelne Grafiken werden zum Verkauf angeboten, die Erlöse fließen in den Unterhalt des Archivs.

Renate Angers Kunst ist selbstreferentiell und findet durch Reduktion und Wiederholung von Farbe und Form ihre Dichte und leuchtende Intensität. Zwischen 2003 und 2005 entstand eine Serie spontan ausgeführter Aquarelle auf Papier, in denen die Künstlerin mit Farbdichte und Formanordnung experimentiert. Von Renate Anger wurde 2015 im Museum Burg Miltenberg, dem Ort, an dem sie aufwuchs, eine umfangreiche Einzelausstellung mit Werken aus dem Künstlerarchiv bespielt.

Gerda Brodbecks (1944-2008) zentrales Thema ist der Mensch, der trotz reduzierter Gestik und Mimik eine große Ruhe und Konzentration in ihren Zeichnungen ausstrahlt. Mit flüchtigen Strichen kreiert Brodbeck intime zeichnerische Bildnisse ihrer Figuren unter Rückgriff auf Vorlagen privater Fotografien, aus Büchern und Zeitschriften.

Jockel Heenes‘ (1947-2004) zentrales Thema war das Empfinden und Begreifen des Raumes. Ob Tafelbild, Zeichnung, Installation oder Kunst am Bau - der Raum als Erfahrung und Gegenspiel von Innen und Außen ist seinen Werken immanent. In seinen Zeichnungen greift Heenes dieses Raumempfinden auf, in einer Serie von Siebdrucken verknüpft er architektonische Formen mit Worten.

Von Erich Lütkenhaus (1924-2010) werden Skizzen auf Grundriss-Papier in der Ausstellung gezeigt. Sie stellen geometrische Landschaften in die konstruktiv-systematische Grundlage der Architekturpläne. In Filzstift-Skizzen setzt der Maler, Zeichner und Bildhauer einfache Grundformen um und variiert diese in Dichte und Ausrichtung. Von Erich Lütkenhaus gingen 2015 zahlreiche Leihgaben aus dem Künstlerarchiv in die Ausstellungsreihe „Hellweg Konkret“ mit Stationen in Unna, Hamm und bis Ende Januar 2016 im Kunstmuseum Ahlen.

In Ludger Gerdes‘ (1954-2008) Skizzen, Bildern, Skulpturen und Fotos beschäftigt sich der Künstler mit der Frage der Darstellbarkeit von Ideen und seiner eigenen Rolle im System Kunstbetrieb. Eine Serie von Papierarbeiten kreist um Schlagworte und Formfindung. In den ausgestellten Editionen „Ichs“, „Fichte verpflichtet“ und „Gesellschaftsspiel“ thematisiert Gerdes Grundbegriffe als Anreiz für (kunst-)theoretische Betrachtungen. Von Ludger Gerdes wird noch bis Ende Januar die Neonarbeit „NIE“ in der Leverkusener Ausstellung „Ruhe vor dem Sturm“ im Museum Schloss Morsbroich als Leihgabe aus dem Archiv gezeigt.

Von Herbert Press (1933-2002) entstanden in den 1950er Jahren die ersten Stahlplastiken. Aus altem Eisen und anderen, scheinbar nutzlos gewordenen Materialien konstruierte der studierte Ingenieur nicht nur feingliedrige, archaisch anmutende, sondern auch haushohe, teils futuristische Plastiken für den öffentlichen Raum. Neben seinen Objekten und Plastiken gehören auch zahlreiche Radierungen, Collagen und Zeichnungen zu Press‘ Œuvre, das ins Künstlerarchiv eingegangen ist. Die Ausstellung zeigt Kleinplastiken und Radierungen des Berliner Künstlers. Spontane Skizzen geben Auskunft über Ideenfindung und Arbeitsweise des Plastikers.

Der Schwerpunkt von Kurt M. Schulz-Schönhausen (1922-1999) liegt auf Malerei und Grafik. Seine zahlreichen Arbeiten auf Papier, die zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn noch gegenständliche Bezüge aufweisen, werden im Laufe der Jahre zunehmend abstrakter. Ein anfangs strenger Formalismus seiner Arbeiten weicht in späteren Jahren aufgelockerten Kompositionen. Die Linien werden weicher, Mischtöne lösen die reinen Farben ab und Pinselstriche brechen die vormals glatten Flächen auf.

Arbeitsaufenthalte in Afrika, New York und Berlin bereicherten Helen Spoerris (1937-2011) Formensprache, die sie in Aquarellen, Zeichnungen und Collagen festhielt. Als Autodidaktin arbeitete sie sich in verschiedene künstlerische Techniken ein und schuf neben zeichnerischen Werken eine Fülle an Künstlerbüchern. Zeichentrickähnlich sehen die Figuren und kunsthistorischen Bezüge der Skizzen aus einem Atelieraufenthalt in New York aus, die sie teils mit intensiven Farben hinterlegt.

Gerhard Winds (1928-1992) umfangreicher grafischer Nachlass dokumentiert seine stilistische Entwicklung von einer ersten Abstraktion, geprägt von der zeitgenössischen Kunst der frühen 1950er, über die 60er Jahre, in denen er neben gestischen Elementen einen tektonischen Bildaufbau wählt, bis hin zu späteren Kunst-am-Bau Entwürfen und Ausführungen, die zunehmend abstrakt-geometrisch aufgebaut sind. In der Ausstellung werden neben einigen frühen Zeichnungen vor allem späte Skizzen gezeigt. Von Gerhard Wind waren 2015 Leihgaben aus dem Archiv im Künstlerdorf Schieder-Schwalenberg und im TYSON-Offraum Köln zu sehen. Über seine Kunst-am-Bau Projekte entstand 2015 auf der Grundlage der Untersuchung der Archivbestände eine Masterarbeit durch Leanne Petersen an der Düsseldorfer Heinrich-Heine Universität. Eline van Dijk schuf unter Auswertung zahlreicher Skizzen aus dem Archiv eine Masterarbeit zu einer öffentlichen Mönchengladbacher Skulptur von Gerhard Wind für die Maastrichter Universität.

Die Ausstellung wird gezeigt vom 9. bis zum 18. Dezember 2015
und vom 12. bis zum 29. Januar 2016.

Die Öffnungszeiten sind Dienstag von 10 bis 12 Uhr
Mittwoch und Donnerstag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr.

Das Archiv für Künstlernachlässe wird unterstützt von der VG Bild-Kunst Bonn und dem LVR.