19. November bis 20. Dezember 2013

Druckreife Serien, gezeichnete Raritäten, zufällig Gemaltes und schichtenweise Collagiertes zeigte das Archiv für Künstlernachlässe der Stiftung Kunstfonds aus seinen Grafikbeständen.

Ausstellungsansicht mit Werken von Edgar Knoop, Ludger Gerdes und Peter Vogt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / Stiftung Kunstfonds


Die Grafiken wurden im temporären Ausstellungspavillon präsentiert, der auf dem Gelände des LVR-Kulturzentrums der Abtei Brauweiler an der Stelle eines geplanten Erweiterungsbaus steht, durch den die Archivräume künftig vergrößert und um ein Schaumagazin ergänzt werden sollen. Den schlichten Holz-Quader zierten zum Jahresausklang ausgewählte farbige Grafiken von Künstlern aus dem Archiv. Die Papierarbeiten werfen Schlaglichter auf die verschiedenen künstlerischen Positionen, Themenwelten und Arbeitsweisen der einzelnen Künstler. Die Grafiken werden zum Kauf angeboten, Erlöse fließen in den Unterhalt des Archivs.

Ausstellungsansicht mit Werken von Helen Spoerri, Gerda Brodbeck, Otfried Rautenbach, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / Stiftung Kunstfonds

Edgar Knoop (*1936) geht in der ausgestellten Collagenserie „Horizonte“ von der Wirkung von Farbkontrasten und Lichtwirkung aus. Gerda Brodbeck (1944-2008) schuf aus Anlass der Leichtathletik-Europameisterschaften 1986 eine Radierung zum Thema Sport, deren Genese anhand archivierter Entwürfe, Skizzen und Druckplatten in der Ausstellung gezeigt wird. Die frei komponierten Bleistift-Zeichnungen von Otfried Rautenbach (*1942) scheinen wie musikalische Improvisation plötzlichen Eingebungen zu folgen. Zahlreiche Reisen nach Afrika und Arbeitsaufenthalte in New York bereicherten Helen Spoerris (1937-2011) Formensprache, die sie überwiegend in Aquarellen festhielt.

Ausstellungsansicht Fritz Rahmann, Ohne Titel (Multiplex), 1971, Siebdruck auf Papier, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / Stiftung Kunstfonds

Aus Ludger Gerdes‘ (1954-2008) umfangreichem Nachlass aus Skizzen, Bildern, Skulpturen und Fotos ergibt sich das Bild systematisch entwickelter Bildthemen. Gerdes beschäftigte sich in seiner Kunst mit der Frage der Darstellbarkeit von Ideen und seiner eigenen Rolle im System Kunstbetrieb. Der Münchner Maler Peter Vogt (1944-2013) schuf in zahlreichen Gemälden Menschenbilder, Serien von Porträts und Figurenbilder. Die „Pinselabstriche“ entstanden auf Papptellern, die Vogt als Palette nutzte und mit wenigen Pinselstrichen zu den ausgestellten Miniatur-Portraits umwandelte.

Ausstellungsansicht mit Werken von Diethelm Koch und Erich Lütkenhaus, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / Stiftung Kunstfonds

Diethelm Koch (1943-2008) arbeitet in seinen Skulpturen und Grafiken mit den geometrischen Grundformen Kugel, Würfel und Zylinder. Wiederholt stellte Fritz Rahmann (1936-2006) in seinem Werk die Frage nach der Wirkung von systematischer Neuordnung – formal, organisatorisch und inhaltlich. Formal auch in den ausgestellten „Multiplex“-Grafiken, deren Anordnungen aus roten und blauen Rechtecken sich jeweils nur um einen Baustein verschiebt. Von Erich Lütkenhaus (1924-2010) werden neben Prägedrucken auf weißem Papier auch die Prägestempel und die Entwurfsformen ausgestellt. Jockel Heenes‘ (1947-2004) zentrales Thema war das Empfinden und Begreifen des Raumes.

Ausstellungsansicht mit Werken von Erich Lütkenhaus, Jockel Heenes, Kurt M. Schulz-Schönhausen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / Stiftung Kunstfonds

Gerhard Winds (1928-1992) Grafiken und Editionen dokumentieren seine stilistische Entwicklung. Renate Angers Kunst ist selbstreferentiell und findet durch Reduktion und Wiederholung von Farbe und Form ihre Dichte und leuchtende Intensität. Der Schwerpunkt von Kurt M. Schulz-Schönhausen (1922-1999) liegt auf Malerei und Grafik. Eduard Franoszek (1935 - 1995) war Mitbegründer der Künstlergruppe „Großgörschen 35", eine der ersten Produzentengalerien in Deutschland mit selbstorganisierten Ausstellungsräumen. In dieser Zeit entstanden auch die ausgestellten Gummidrucke. 

Ausstellungsansicht mit Werken von Eduard Franoszek, Gerhard Wind und Renate Anger, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / Stiftung Kunstfonds