'Schadenszeichen'

30. Juni – 23. Juli 2017

Ausstellungsansicht Andreas von Weizsäcker 'Schadenszeichen', Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

"Schadenszeichen" heißt die Installation Andreas von Weizsäckers in der Ausstellung des Künstlernachlassarchivs der Stiftung Kunstfonds im Winterrefektorium des LVR-Kulturzentrums Abtei Brauweiler. Die „Schadenszeichen“ aus vier fragmentierten Löwenköpfen hat der Künstler 1996 als papierne Abdrücke der Quadriga des Münchener Siegestores aus handgeschöpftem Papier gefertigt. Ausgestellt werden sie mit dem gedruckten Aufmaß des Siegestores, in dem die Beschädigungen aus zwei Weltkriegen und vielen Jahrzehnten Standdauer verzeichnet sind.

Andreas von Weizsäcker 'Schadenszeichen', Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Bei Eingang ins Archiv wurden kleine mechanische Beschädigungen an den Skulpturen festgestellt, die bei vergangenen Ausstellungen, durch Transporte und während der Lagerung über die Jahre entstanden sind. Das Archiv für Künstlernachlässe wandte sich an Prof. Dr. Robert Fuchs vom Institut für Restaurierung und Konservierung CICS der TH Köln mit dem Projektvorschlag, den Zustand des Werks zu erfassen, ggf. kleine Reparaturen und Sicherungen des papiernen Materials vorzunehmen und es für die geplante Ausstellung so vorzubereiten, dass es davon keinen zusätzlichen Schaden nimmt. Auf der Suche nach einem Bachelorthema hat Ulrike Förster den Zustand des Werks im Archiv untersucht und ausgiebig dokumentiert. In Vorbereitung auf die Ausstellung hat sie das aus vielen unbeschrifteten Einzelteilen bestehende Werk zusammengepuzzelt und das Material auf der Basis papierkonservatorischer Erkenntnisse an empfindlichen Stellen stabilisiert. In ihrer Abschlussarbeit hat sie Ausstellungskonditionen und Erhaltungsstrategien so formuliert, dass Handlungsanweisungen im Umgang mit dem Werk für das Künstlerarchiv entstanden sind. Die Ausstellung fasst die wichtigsten Ergebnisse des Bachelorprojekts in Kooperation zwischen Archiv und TH zusammen.

Im Rahmen des Bachelorprojekts wurden kleine Risse mit Ersatzpapieren aus dem Nachlass behutsam geflickt, besonders brüchige Stellen wurden durch eine extra Papierschicht oder rückseitig durch Plexiglashalterungen verstärkt. Ein stark deformierter Teil wurde behutsam befeuchtet und zurückgeformt. Für den Aufbau zur Ausstellung entwickelte Frau Förster ein Konzept, die Einzelteile der Skulpturen mit Hilfe von Magneten und Metallteilen künftig reversibel zu verbinden.

Ausstellungsansicht Andreas von Weizsäcker 'Schadenszeichen', Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Das Archiv profitierte von Frau Försters gewissenhafter und engagierter Herangehensweise, mit der sie etwa jedes Metallplättchen mit gleichfarbigem Papier einzeln umklebte, um die Eingriffe so unauffällig wie möglich zu gestalten. Zur behutsamen Ablösung der Magnete hat sie sich einfallen lassen, diese in kleine Textillaschen einzeln einzunähen. Das Ergebnis eines perfekt aufgebauten Werks spricht schließlich für sich selbst und erneut ist das Archiv für Künstlernachlässe sehr dankbar für die gute Kooperation mit der TH, dem LVR und dem Freundeskreis der Abtei.

By the way, 1996, Graphit auf Bütten, je ca. 138 x 60 cm, Foto: Stiftung Kunstfonds, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Mit den Ebenen historischer Aufladung und Erinnerungskultur beschäftigte sich Andreas von Weizsäcker (1956-2008) in vielen seiner Skulpturen, Papierarbeiten und Rauminstallationen, die Ende 2016 aus seinem Nachlass in das Künstlerarchiv eingegangen sind. Der Münchner Bildhauer formte Alltagsobjekte und historische Spuren genauso wie Bau-Monumente aus handgeschöpften Papieren als leere Hülle ab. Die Leere bleibt ein Hinweis auf das künstlerische Hinterfragen der mit gewichtigen Inhalten aufgeladenen Vorlagen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die VG Bild-Kunst, Bonn und die Staatsministerin für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der TH Köln – CICS Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft und wird unterstützt durch den Landschaftsverband Rheinland und den Freundeskreis der Abtei Brauweiler.

Die Öffnungszeiten sind donnerstags bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr.